Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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147 überwiegend vom Handel leben. Indem aber eine viel zu große Zahl derselben Handel und Branntweinschank treibt und hierbei in wahrhaft entsetzlicher» blutsaugerischer und wucherischer Weise auf die christliche Bevölkerung drückt, verarmt diese, und mit ihr versinkt die Majorität der Juden in das Elend, welches sie zuerst den Andern bereitet haben. Außerordentlich wächst in Galizien aber auch die finstere Sekte der Chasidim; diese wissen die Gesetze wohl zu umgehn, nach denen sie ihre Kinder in die Ortsschule schicken sollten, und lassen sie lieber im Talmud von ihren eigenen Lehrern unterrichten. Auf der Straße disputiren die Alten und Jungen im jüdischen Jargon nach echt talmudisch - sophistischer Weise, und manche unter ihnen leben noch ganz in der idealen talmudischen Welt, ihre Erdenpflichten völlig vergessend. Der eigentliche Rabbinismus aber hat auch hier einen schweren Stand, Chasidismus und Reformjudenthum rauben ihm stetig den Boden. Besonders scharf treten die Gegensätze unter den Juden in Ungarn hervor. Fast jede Stadt besitzt hier zwei getrennte Gemeinden : Orthodoxe und Reformer, von denen auch eine jede ihre besondere Synagoge hat; ebenso aber bilden hier die Chasidim eine ansehnliche Partei. Mit großen Schwierigkeiten, schreibt Miss. Mamlock aus Paris, ist das Missionswerk in Frankreich verbunden. Neu eingetreten in das dortige Arbeitsfeld, hat er bisher nur die ersten Eindrücke empfangen, dieselben sind aber freilich nicht sehr ermuthigende. In seinen Gesprächen fand er die Juden meist gleichgültig, voller Vorurtheile und voll Hartnäckigkeit, dagegen sehr wenig geistliches Fragen und Verlangen. In Italien bilden Rom und Florenz die Stationen der Gesellschaft. Der daselbst herrschende Liberalismus erleichtert den Missionaren ihren Verkehr mit den Juden, macht aber freilich auch die Gemüther stumpf gegen die Wahrheit. Die religiöse Gleichgültigkeit wird auch durch die vielen Mischehen zwischen Christen und Juden vermehrt. Die Evangelischen des Landes aber sangen an, ein herzliches Interesse für die Judenmission zu gewinnen; Inden wohnen denn auch sehr gern und häufig ihren Gottesdiensten bei. Von besonderer Bedeutung ist es, daß nun auch Rußland oder strenger genommen Polen der Londoner Gesellschaft geöffnet io*