Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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146 in Lemberg wie in Krakau die Arbeit eine recht dornenvolle. Oesterreich-Ungarn mit seine» mehr als 1,300,000 Juden ist bei Weitem nicht ein so fruchtbares Arbeitsfeld, als es die Größe desselben erwarten lassen würde. Wie auch in Krakau der Einfluß der neueren Zeit sich geltend macht, und die weltliche Gesinnung das Dichten und Trachten gar zu vieler Gemüther unter ihnen vergiftet, dafür bringen die Missionare recht traurige Beispiele herbei. Missionar Händler in Krakau versuchte eines Tages einen Juden in ein religiöses Gespräch zu ziehen. Dieser lehnte dasselbe jedoch ab und bemerkte hierbei: „Erzählen Sie mir lieber, wie ich recht viel Geld verdienen kann, so will ich Ihnen gern zuhören!" Aber die Zeugen der Wahrheit lassen sich doch nicht abschrecken. Eines Tages stand der Missionar mit verschiedenen Juden auf der Straße; da kam eine Prozession herbei, und inmitten derselben trug der römische Priester eine Monstranz. „Da tragen sie euren Gott", sagten die Juden zum Missionar. „Nein", war die Antwort, „nicht den meinigen, sondern den euren; denn, wie Sie sehen, ist es lauter Gold!" Diese Antwort erregte ihre Aufmerksamkeit, so daß man nun dem Mssionar gern zuhörte. Derselbe nahm natürlich Gelegenheit, dm Zuhörern das Wesen der christlichen Religion und ihre»Unterschied vom römischen Aberglaubenzu erklären. Ein Missionar erhielt in Folge einiger Freundlichkeiten, die er Juden erwiesen hatte, sogar die Erlaubniß, das jüdische Hospital und andere jüdische Anstalten nicht blos zu besuchen, sondern auch selbst dort Traktate und Psalter zu vertheilen und mit denen, die es gern thäten, religiöse Gespräche anzuknüpfen. In einigen Fällen wurde der Missionar selbst, ehe er es noch wagte, zu sprechen, von den Patienten gebeten, ihnen Stellen aus der Schrift zu erklären und ihnen die Beweise für das Christenthum zu nennen. Auf Etliche hat dies denn doch auch einen tieferen Eindruck gemacht, denn sie haben ihre Heimath verlassen und sich in England und Deutschland in christlichen Unterricht begeben; zwei derselben sind auch getauft worden. Weite Reisen unter der galizischen jüdischen Bevölkerung haben den Missionaren wieder einmal das unter derselben weit verbreitete Elend vor Augen geführt. Es herrscht daselbst zumeist große Armuth, hauptsächlich in Folge davon,, daß die Juden sich gar zu wenig zum Handwerk und Ackerbau verstehen wollen, sondern weit