Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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143 halb der deutschen Judenschaft. Trotz prächtiger Synagogen, kunstvoller Gottesdienste und fester Zusammenschließung der Majorität aus Stammesrücksichten befindet sich doch unsere deutsche Judenschaft in höchst trauriger geistlicher Verfassung; der religiöse Gehalt nimmt in erschreckendem Maaße ab. Um so ernster wird die Pflicht der gläubigen Christen gegen die sie umgebenden Juden. . Und in diesem Punkte kann vielfach aus Deutschland Erfreuliches berichtet werden. Miss. Klee schreibt speciell aus Danzig und der von ihm besuchten Provinz hierüber: „Das Interesse, welches Christen an der Judenmission nehmen, ist ein stetig wachsendes, das sehen wir überall auf unfern Missivnsreisen, ganz besonders aber gilt dies für die Mitglieder der Dauziger Brüdergemeinde, die stets bereit sind, ihre helfende Hand zu unserer Liebcsarbeit darzureichen und ihre Bemühungen mit Gebet zu begleiten." Der Herausgeber dieses Blattes, welcher die Freude hat, mit vielen Gliedern der Brüdergemeine bekannt zu sein, kann sich nicht enthalten, bei dieser Gelegenheit in denselben Dank von Herzen miteinzustimmen; er hat stets in Breslau, wie in ganz Schlesien und über dasselbe hinaus, unter Geistlichen und Laien dieser Kirche die treuste Hilfe und manche seiner liebsten Mitarbeiter gefunden. Die Breslauer Station hatte übrigens im vergangenen Jahre zwei derselben wichtig gewordene Ereignisse zu verzeichnen. Ein greiser Missionar Goldinger starb Hierselbst im Laufe des Jahres. Goldinger hatte sich im reifen Mannesalter nach vielen Jahren eines ernstlichen Forschens und schmerzlicher Seelenkämpfe von der Synagoge getrennt und darauf als treuer Christ, wenngleich unter Aufopferung aller früheren irdischen Vortheile, gelebt. Unter den Juden seiner polnischen Heimath wohlbekannt und hochgeachtet, hatte sein Uebertritt dieselben auf's Aeußerste erregt. Fast gelang es ihnen dann, durch schändliche Nachstellungen das schwerste Unglück über ihn zu bringen, und nur mit Mühe entging er der Transportirung nach Sibirien, nur durch besondere Fügung auch dem Tode durch Vergiftung. Später in den Dienst der Londoner Gesellschaft als Laienmissivnar berufen, hatte er selbst da noch von der Feindschaft der erzürnten Juden zu leiden und wurde bei dem Kommittce der Gesellschaft auf's Traurigste verdächtigt. . Aber wenn er selbst so das Bitterste litt, dachte er nur an das Retten