Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Christi Lehre zu streiten, dieMristen lächerlich zu machen und die Proselyten zu verfolgen. Aber diese Debatten wirkten das Gegentheil von dem, was man erwartet; denn die Abgeschmacktheiten deS Rabbinismus wurden an's Licht gebracht, und dies führte zu einer Reform des Judenthums. Dieses Reformjudenthum jedoch läugnet einen persönlichen Messias. Mit dieser Läugnung scheint es sich alle weitere Unruhe und Noth hinsichtlich des Christenthums und seines Urhebers erspart zu haben. Dennoch debattirt man über den Gegenstand immer wieder in ihren Blättern und auch sonst; die letzte Phase aber in ihrem Verhalten besteht darin, daß man einfach läugnet, die jüdische Nation habe an der Kreuzigung Christi Theil gehabt, und ihn einen bloßen Empörer gegen die Römer sein läßt." Auf den Wechsel der Dinge unter den Juden weist auch der Bericht aus Danzig hin. In dieser Stadt, und nicht dort allein, zeigte sich der Zeitgeist und sein Einfluß so recht am letzten Versöhnungstage; selbst die feierlichen Gebräuche dieses Tages verschwinden vor dem Lichte der menschlichen Vernunft. Früher erschienen bei dieser Gelegenheit alle Juden in den Kleidern, welche sie am Hochzeitstage von ihren Bräuten empfangen hatten, um dieselben bei dieser spcciellen Gelegenheit zu tragen, und damit diese ihnen am Ende ihrer Lebenswanderung als Sterbetücher dienen sollten. Nach der Stellung des Trägers unter seinen Brüdern richtete sich die Kostbarkeit des Materials und die Menge des Goldes, mit dem der Kragen eingefaßt war. Diese eigenthümliche Sitte ist längst in allmähligc Abnahme gekommen, aber ganz besonders war dies das letzte Mal der Fall. Bei der jüngsten Feier dieses Tages sah man nur in einer der orthodoxesten Synagogen Danzigs hier und da einen alten Sohn Abrahams in jener eigenthümlichen Bekleidung, alle übrigen in der sonst üblichen; und bei dem allgemeinen Mangel an Ernst in ihrer Andacht war nur wenig, wenn überhaupt ein Unterschied zwischen diesem und ihrem gewöhnlichen Sabbathgottesdienste zu bemerken. Statt daß die ganze Gemeinde barfüßig gebetet hätte, schienen allein noch zwei oder drei Personen diese Sitte zu beobachten; die Knaben aber amüsirten sich damit, gegenseitig sich die Stiefel und Schuhe zu verstecken, damit keiner sie fände, wenn er sie gebrauchte. Dieser Zug charakterisirt so recht den religiösest Verfall inner-