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Dibre Emeth · 1877-01-01 · 9-10 (1877) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
9-10 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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133 dem Streben wie der Sehnsucht des Gläubigen wirkt. In einem mechanischen System von Gebräuchen und Ceremonieen auferzogen, dünkt er sich für einen guten Christen, wenn er Beweise dafür Vorbringen kann, daß Jesus der Messias ist. Von einem inneren Zeugniß, das die Seele mit Frieden erfüllt, und das die Gemeinschaft mit Gott zur seligsten Freude macht, weiß er durchaus nichts — ja, wenn man davon zu ihm redet, betrachtet er es als ein Geheimniß, welches keinen Grund in der wirklichen Erfahrung hat. — So tief es aber zu beklagen ist, daß verhältnißmäßig garwenige unter den Katechumenen die Last der Sünde, das Verderben des Herzens und die Nothwendigkeit eines Glaubens, der erleuchtende, reinigende und das ganze Leben umgestaltende Kraft übt, fühlen, sind nun doch schöne Ausnahmen nicht etwas so Ungewöhnliches. I. L., von Geburt ein Pommer, kam vor 2 Jahren nach England. Da er nicht gewöhnliche Talente besaß und mit guten Empfehlungen versehn war, so meinte er, ohne Schwierigkeit eine gute Stelle als Lehrer in einer öffentlichen oder privaten Schule finden zu können. Seine Erwartungen wurden jedoch, wie so oft, bitter getäuscht. Die Freunde riethen ihm deshalb, nach Hause zurückzukehren, wo er, inmitten einer reichen Familie, bequem leben könnte, anstatt in England zu bleiben und um seine Existenz zu kämpfen. Sein Stolz erlaubte ihm jedoch nicht, diesem Rathe zu folgen. Ein jüdischer Bekannter, der früher die Bibelstunde besucht hatte, sagte ihm, er möchte doch zu einem Missionar gehn, der vielleicht im Stande wäre^ ihm zur Erlangung einer Stelle behülflich zu sein. Er fühlte einiges Widerstreben dagegen, mit Männern in Verbindung zu treten, welche nur die Juden zu taufen suchten. Ueberdem haßte er religiöse Gespräche, die, wie man ihm sagte, den eigentlichen Tummelplatz aller Unterhaltungen der Missionare bildeten. Aber er hatte nun eben keine Beschäftigung, und ob der Missionar über die Synagoge oder die Kirche eiferte, so konnte es ihm, das war sein Gedanke, nicht schaden, eine oder zwei Stunden in seiner Gesellschaft zuzubringen. Der Besuch geschah, und I. L. fand, daß ein solcher gar nicht so gefährlich sei, wie er es hätte annehmen sollen. Er wiederholte daher seinen Besuch, und dies zuletzt fast täglich. Unterdeß gingen seine knappen Existenzmittel fast ganz auf die Neige. Da er deshalb nicht wußte, was thun, oder wohin sich wenden, um ein Unterkommen zu finden,

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