Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 9-10 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Juden fast allerwärts ein unerträglicher Gedanke, daß sie noch der Gegenstand einer Mission sein sollten. Eben daher vermeiden auch weite jüdische Kreise in England und in andern Ländern jede Berührung mit der Judenmission. Ebenso aber tritt dem Werke der Unglaube und die Zweifelsucht, die sich seit 30 Jahren immer weiter unter den englischen Juden verbreitet haben, hindernd entgegen. Juden aus den Ländern des Ostens sind es zunächst, die in England der Predigt des Evangeliums stille halten. Dagegen hört man die gebildeten und wohlhabenden oder angeseheneren Juden daselbst oftmals äußern: „Ueberzeugt uns von der Wahrheit des Alten Test., so wollen wir in logischer Konsequenz an das Neue Test, glauben!" Die Bibel erfreut sich eben ihres Vertrauens und ihrer Hochachtung nicht mehr; sic verlangen nach einer Vernunftreligion an Stelle der Religion des Moses und der Propheten; das Christenthum aber steht ihrer materialistischen Philosophie zu sehr im Wege. Dennoch fehlt es nicht an Beweisen.dafür, daß der Geist Gottes den Hochmuth der Weisen stürzen und die Herzenshärtigkeit der Unbußfertigen überwinden kann. So hatte Missionar Stern im Jnquirers Home eine in keinem früheren Jahr erreichte Zahl von Katechumenen. Alle diese besuchten die tägliche Bibelstunde, und dies zum Müdesten, wenn nicht regelmäßig, dreimal in der Woche. Die Meisten derselben blieben freilich aus verschiedenen Ursachen nach kurzer Zeit wieder weg, 62 jedoch besuchten sie Wochen oder Monate lang in ununterbrochener Folge. Dennoch nahm Miss. Stern nur 8 derselben in die christliche Kirche auf; hätte er dem Drängen der Mehrzahl unter ihnen nachgegeben, so würde er von einem beträchtlichen Uebertritt zur Kirche zu berichten haben; doch dies ist eben nicht der Zweck der Gesellschaft. Die Mission hat zu Vieles zu bedenken, denn sie hat einmal mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Man findet so oft unter den Juden Leute, die mit der Bibel sehr wohl bekannt sind, und die auch in ihren heiligen Worten Hoffnung und Trost suchen, dennoch aber bei ihren Zornandrohungen und ihren Gnadenverheißungen ungerührt bleiben. Da muß man denn eben nicht vergessen, daß der Jude, besonders der orthodoxe, keine Vorstellung von der geistlichen Veränderung hat, welche der wahre Glaube an die erlösende Liebe Christi in den Gedanken, den Gefühlen und