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Dibre Emeth · 1877-01-01 · 7-8 (1877) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
7-8 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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120 lxgenheiten entscheidet. Die weltlichen Gemeindeangelegenheitcn werden gleichfalls durch ein Kollegium besorgt. Die sephardischc Gemeinde ist nicht reich; doch hat sie allein das Recht, Grabstätten und das Fleisch zu verkaufen. Die Ausgaben, zu denen auch die Zahlung der Kopfsteuer für ihre Armen und einer Summe für den freien Zutritt zur Tempelmaucr und zum Rahelsgrabe gehört, übersteigen jcdcsfalls die Einnahmen. Deshalb läßt die Gemeinde durch Boten für sich sammeln, besonders in Afrika. Dennoch wird auch so der jährliche Aufwand nicht bestritten, und die Armnth nimmt deshalb in dieser Gemeinde stets zu. Eigenthümlich ist es, daß in derselben noch hier und da, obwohl selten, Bigamie (Ehe mit einer zweiten Frau) vorkommt; doch geschieht dies nur, wenn eine Ehe kinderlos ist und die erste Frau ihre Einwilligung giebt. Vielweiberei dagegen kommt nie vor. Aschkenasim nennt man die aus Deutschland, Oesterreich, Rußland, Rumänien, England, Holland, Frankreich und die aus Nord-Amerika eingewanderten Juden; alle diese sprechen ein verdorbenes Deutsch. Sie halten an der in Deutschland üblichen Liturgie fest und weichen auch in den Fragen des religiösen Gesetzes von den Sephardim vielfach ab. Ihre Zahl mag 6000 betragen. Doch spalten sich dieselben in die Parteien der Peruschim (nicht Pharisäer) und Chassidim. Die Peruschim erhielten ihren Namen davon, daß sie sich von den Sephardim „absonderten". Unter ihnen herrscht noch ganz die alte polnisch-deutsche Lehrweise. Die Chassidim sind Anhänger des Zadik (Gerechten) R. Israel Baal Schein, der im 18. Jahrh. in Podolien lebte; einen eigenen Zadik besitzen sie jetzt in Jerusalem nicht. Bekanntlich gelten diese Zadikim als die eigentlichen Vermittler zwischen Gott und Menschen in dieser Sekte. Zu den Chassidim gehören in Jerusalem etwa 1700 Seelen, davon 1000 Wolhynier, 500 Galizier und 200 Chabad oder Ljubawizer. Äußer diesen drei chassidischen Gemeinden der Aschkenasim befinden sich noch vier Gemeinden der Peruschim in der heiligen Stadt: die Russen 3000, die Warschauer 700, die Ungarn 500, die Deutsch-Holländer 100. Eine einheitliche Gemeinde wie die Sephardim bilden die Aschkenasim nicht, auch haben sie kein gemeinsames Oberhaupt wie diese; zu gemeinschaftlichen Entscheidungen treten aus den Gemeinden Abgeordnete zusammen.

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