Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 7-8 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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121 die Sünde anders, als das Alte Testament über dieselbe denkt; die Erlösung und die Versöhnung der Schrift, welche hiernach den Gegenstand des Gesprächs bildeten, blieben ihm daher auch ein unerklärliches Räthscl. An diesem Punkte scheitert aber überhaupt der größte Theil aller Disputationen mit Juden; und eben daher mögen es doch alle Missionare recht bedenken: cs kommt vor Allem darauf an, daß sie Zeugen, nicht aber, daß sie disputationskundige Leute seien. Sünde und Gnade, diese persönlichsten Themata sollen unser Zeugniß an Israel, wie auch sonst überall zu allererst, ausmachen. Ueber den Buchstaben der Schrift läßt sich ungemein viel zanken, und Niemand thut dies lieber als ein großer Theil der Juden. Um so weniger sollen wir uns an erster Stelle mit dem Verstände hcrumringen, sondern vielmehr in die Herzen mit dem strafenden und wicdcraufrichtenden Wort des Lebens zu dringen suchen. Der Herzensacker ist unser Arbeitsfeld; der Verstand sieht Finsterniß oder Licht, je nachdem das Herz sich der Wahrheit von Oben öffnet oder verschließt. X Saphir, Christus und die Schrift. Hier redet Einer ans Israel, welcher das Wehen des göttlichen Geistes vernommen hat. Derselbe kennt das Geistesleben der Juden wie der Christen, er kennt die weltliche Literatur Deutschlands und Englands, er kennt die Glaubensgedanken evangelischer Christen aus so manchem Lande, er kennt vor Allem aber die heilige Schrift. Und da er dieselbe durchwandelt vom ersten Buche Mosis an bis zur Offenbarung Johannis, begegnet er überall dem Einen, welchen der Vater gegeben und gesandt hat, damit in ihm alle seine Liebe Wahrheit und Wirklichkeit, damit durch ihn alle Sünde getilgt werde, damit aus seiner Fülle das Leben sich in die Schöpfung und bis in das Land des Todes hinein ergieße: „Jesus Christus, der Erste und der Letzte!" Dieser Israelit hört vom Himmel und von der Erde her, hört aus allem Leben der Menschen und jeder Kreatur, hört aus dem Kleinsten wie aus dem Größten eine Stimme an sein Herz dringen, welche zu ihm von der Liebe des Vaters, von der Gnade