Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 7-8 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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123 Isaak und Jakob nichts von dem Messias, dem Sohne Gottes, gewußt haben?" Mendelssohn sah sich durch diese Ausführungen denn doch in die Enge getrieben; er wußte sich nicht anders zu helfen, als dadurch, daß er die Autorität der Sprüche bestritt und somit den Boden des Alten Testamentes hier verließ. Denn er antwortete: „Aus den Sprüchen Salomonis pflege ich weder selbst etwas zu beweisen, noch von Andern einen Beweis anzunehmen. Dies sind Sprüche vieler Weisen, die von einem Gelehrten alle in ein Buch gesammelt worden und die, dem Salomo zu Ehren, den Namen Salomonis Sprüche bekamen. ' Ueberdem, was der Sinn dieser räthselhaften Vorstellung sei, wird schwerlich Jemand mit Gewißheit bestimmen. Ich verstehe es nicht, und was ich nicht verstehe, davon kann ich als Gelehrter keinen Gebrauch machen — noch weniger kann ich aus einem dunklen Satze Religiouswahrheitcn herleiten und beweisen. Ich nehme das, was einmal ausgemacht gewiß ist und was Gott selbst bestimmt hat, an, und ich werde gewisse, unbezweifelte Sätze nicht verlassen, um dunkle und entgegengesetzte zu ergreifen. Kürzlich muß ich Ihnen noch sagen, weil meine Geschäfte mir nicht länger erlauben, mit Ihnen zu sprechen, daß Gott im Alten Testamente nicht die innere, allgemeine, allen Menschen zukommende Religion geoffenbart, noch weniger Glaubenssätze und Weissagungen darin hat vortragen lassen, sondern Gott hat dem jüdischen Volke bloße bürgerliche Gesetze in der Bibel bekannt gemacht, nach denen es regiert werden sollte; und was er in Absicht der Religion vorgeschrieben hat, das ist äußerlich, örtlich, bürgerlich und ist von der inneren Gottcövcrehrung verschieden. Die wahre Geistesreligion giebt die gesunde Vernunft an die Hand; diese Naturreligion hat, so viel mir aus seinem Unterrichte bekannt ist, Jesus auch gepredigt und keine Geheimnisse, keine müßige Spekulation; seine Lehren sollten nicht blos den Verstand üben, das Gedächtniß füllen, nein, sie sollten das Herz beschäftigen und sich in guten, edlen, tugendhaften Werken, in einer ungeheuchelten, thätigen, allgemeinen Menschenliebe äußern." Missionar Litske wies vergeblich Mendelssohn ans „das natürliche Verderben, welches uns unfähig macht, nach dieser Moral zu handeln". Hier schieden sich die Wege. Mendelssohn dachte über