Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 7-8 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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122 sie zeigt, in welche Verlegenheit doch auch Mendelssohn bei seinem Widerspruch gegen das Evangelium sich durch einige alttestamentliche Stellen gebracht sah, und wie er sich alsdann nur dadurch retten konnte, daß er den Knoten einfach mit Gewalt durchhieb. Beide hatten unter Anderem über die messianischen Weissagungen des Alten Testamentes gesprochen. Sehr richtig wies Mendelssohn dem Missionar nach, daß keine derselben für den, welcher von anderen Voraussetzungen als das Neue Testament ausgehe, etwas Zwingendes habe. Der Missionar bedachte bei seiner Beweisführung nicht, daß die innere Herzensstellung zur Schrift und nicht der raisonnirende Verstand die Hauptsache bei dem Verständnisse derselben sind. Aber freilich zeigte cs sich auch, daß der Verstand mit der Schrift nicht fertig wird, sondern daß ihr Geist dem, welcher demselben widerstrebt, gar manches Räthsel bereitet, das er nicht lösen kann. Die Unterhaltung hatte auf die Dreieinigkeit geführt. Im Laufe derselben äußerte Litske: „Aber erlauben Sic mir noch, eine Stelle aus dem Alten Testamente anzuführen, wo des Sohnes Gottes ausdrücklich gedacht wird; sie steht in den Sprüchen Salomonis K. 30,1—6. So lautet der 4. Vers: Wer steiget hinauf himmelan und steiget hinab? Wer sammelt den Wind in seine Hände? Wer bindet das Meer in ein Kleid? Wer gründet alle Ecken des Erdbodens? Wie heißt er und wie heißt sein Sohn? Weißt du es? Hier wird von Einem geredet, der übermenschliche Dinge oder Werke der Allmacht thut. Dies ist der allmächtige Gott; gleichwol wird dabei gesagt, daß er einen Sohn habe, und gefragt, wie der Sohn heiße? Hieraus lassen sich zwei Folgerungen ziehn: 1. daß Gott einen Sohn habe, und daß also im göttlichen Wesen mehr denn eine Person sei; 2. daß die Lehre vom Vater und Sohn im Alten Testamente, wiewohl nur dunkel, bekannt war; denn wie könnte sonst der Verfasser fragen: Wie heißt er und wie heißt sein Sohn? Folglich hören mit einem Male alle Einwürfe der Juden auf, als wenn die Israeliten von dem Geheimnisse der Dreieinigkeit gar nichts gewußt hätten. Der Verfasser der angeführten Stelle redet von Gott und seinem Sohne — was Einer wußte, war gewiß auch Mehreren bekannt. Und Sie behaupten, daß Abraham,