Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 5-6 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Die Verbreitung der Juden in Europa. Während es früher fast gar nicht möglich war, die Vertheilung der Inden unter den einzelnen Völkern genauer anzugeben, so daß die verschiedensten, oft völlig falschen Angaben darüber verbreitet waren, setzt uns jetzt die mehr und mehr zur Blüthe kommende Statistik in den Stand, ein weit richtigeres Bild der jüdischen Bevölkerung nach ihrer Verbreitung in den einzelnen Ländern, wenigstens Europas, zu entwerfen. Allerdings werden auch diese Angaben zum Theil nur annähernd richtig sein, da es immer noch einer Anzahl Inden gelingt, sich der Zählung zu entziehen. Von der Gesammtzahl der Inden, welche meist auf 6 bis 7 Millionen angegeben wird, kommen mehr als 5 Millionen auf Europa. In diesem Erdtheile waren die Inden schon zur Zeit des römischen Kaisers Augustus, also als Jesus geboren wurde, weit verbreitet, so daß in Griechenland, Italien und Spanien viele jüdische Gemeinden bestanden. Durch die Verfolgung der Araber kam eine große Anzahl aus Asien und Afrika herüber, und sie breiteten sich nach allen Seiten hin aus. Seit dieser Zeit ist ihre Zahl trotz vielfacher Verfolgungen stetig gewachsen. Bei der Betrachtung der Vertheilung der Juden unter die verschiedenen europäischen Völker, wie sie sich heut zu Tage darstellt, fällt vor Allem auf, daß ihre Anzahl gerade in den noch am wenigsten liberalen Ländern, in welchen sie weniger Einfluß, Ansehen und Freiheiten genießen, als in den meisten anderen, am größesten ist. Im europäischen Rußland wird nämlich die Zahl der Juden auf 2,621,000 geschätzt, also auf mehr als die Hälfte aller europäischer Juden. Diese so außerordentlich zahlreiche jüdische Bevölkerung des großen Reiches beruht durchaus nicht auf einer besonderen, seit Jahrhunderten erwiesenen Freundlichkeit und Fürsorge der Regierung gegen die jüdischen Unterthanen. Denn Peter der Große gestattete zwar, daß sie eiuwanderten und sich niederließen, aber schon die Kaiserin Elisabeth vertrieb sie wieder 1745. Vielmehr sind die Juden erst mit der Erwerbung der ehemals polnischen Provinzen in so großer Anzahl russische Unterthanen geworden. Das frühere Königreich Polen nämlich war nicht blos schon seit dem zehnten Jahrhundert von Juden ausgesucht, sondern auch stets in den vielen Verfolgungen, durch welche sie besonders 1390 aus Frankreich und