Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 5-6 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Haftesten geltend. Seitdem dagegen das moderne Kulturjudenthum in Deutschland zum Siege gekommen ist und dasselbe ebensowohl die orthodoxe als die reformerische Abtheilung bestimmt, ist das Maß der Uebertritte ein kleineres geworden. Immerhin aber ist die jährliche Zahl der Taufen auch hier noch eine beachtenswerthe und ganz erheblich größer als in den Zeiten des Mittelalters. Die Juden der modernen Welt haben in allen ihren Abtheilungen an Widerstandskraft gegen das Christenthum verloren. Denn die in der neuen Periode eingetretene allseitige Berührung ihres ganzen Lebens mit dem gesammten Leben ihrer christlichen Umgebung hat ein Doppeltes bewirkt: einmal, daß ihnen das Frühere fortschreitend verloren geht, und sodann, daß sie die Macht des Christenthums, trotz aller Zersetzung, in welcher sich vielfach die Christenheit selbst befindet, bei Weitem stärker empfinden. Bedeutsam ist aber auch der Einfluß der Judenmission. England, welches doch nur 50,000 Juden zählt, hat lediglich deßhalb, weil die Mission daselbst so thätig ist, eine das sonstige Verhältniß weit übersteigende Ziffer von Judentaufen zu verzeichnen. Die Taufen in Jerusalem aber kommen sogar ganz ausschließlich aus Rechnung der Mission; und in Polen wuchsen während der Jahre, wo die englische Mission daselbst thätig war, nämlich bis zu den 50er Jahren, die Taufen zusehends. Die Uebertritte aber geschahen dort nicht einmal zur griechischen Staats kn che, sondern zu derjenigen, welche eine rege Missionsthätigkeit entfaltete. Und so legen denn die Zahlen ganz von selbst ihr Zeugniß von der Bedeuffamkeit der Mission ab. Man wird diesen Ausführungen anerkennen müssen, daß sie sich davon serngchalten haben, alle Uebertritte von Inden etwa stets lauteren oder gerechten Beweggründen zuzuschreiben; daß aber die Zahl der von Herzen der christlichen Kirche angehörigen Proselyten keine geringe ist, haben wir Me genugsam an vielen sehr erhebenden Beispielen erfahren. Und soviel steht jedesfalls fest, daß Israel auch ohne Anwendung von mittelalterlichen Gewaltmaßregeln fort und fort ein großes Heer an das Lager Christi abgiebt. Christus aber ist in der That zu unserer Zeit in Israel auch mächtiger als Jahrhunderte lang, und ihm allein gehört die Zukunft des Volkes. Denn zu seiner Zeit wird ganz Israel den Namen des Heilandes anrufen und selig werden.