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Dibre Emeth · 1877-01-01 · 5-6 (1877) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
5-6 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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69 Diese Zahl von 45,170 Judentaufen also steht nach statistisch völlig zuverlässigen Quellen fest; denn dieselben werden durch die Kirchenbücher nachgewiesen. Bedenkt man aber, daß sich eine solche Zahl schon aus den nur abgerissenen Angaben etlicher Länder und auch hier kaum aus der Hälfte der bisher verflossenen Zeit des Jahrhunderts ergiebt; bedenkt man ferner, daß die zahlreichen Uebertritte von Juden zur katholischen Kirche überall und besonders in dem von gegenwärtig mehr als 1,300,000 Inden bewohnten Oesterreichischen Kaiserstaat bei diesem Ergebniß noch völlig ausgelassen sind; bedenkt man endlich, daß gerade in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts die Uebertritte von Juden zur christlichen Kirche noch häufiger geschahen als gegenwärtig, so wird man zugeben, daß die Schätzung, welche einen Uebertritt von ungefähr 100,000 Juden zur gesammten christlichen Kirche in diesem Jahrhundert annimmt, viel eher eine bei Weitem zu niedrige als zu hohe genannt werden muß. Die Uebertritte geschehen übrigens in den meisten Ländern am häufigsten zu der daselbst das Volksleben an erster Stelle bestimmenden Kirche, und hat jede Kirche eine ungefähr gleiche Anzahl derselben zu verzeichnen. Die griechische Kirche Rußlands zählt z. B., nachdem die halben Zwangstaufen aufgehört haben, im Berhältniß zur Anzahl der Juden des Reiches doch auch nur eben so viele Proselyten wie die deutsch-evangelische. Auch macht es heute keinen allzugroßen Unterschied in den Kulturländern Europas, ob ein Land von talmudistischen oder modernen Juden bewohnt wird. Eher allerdings ist das Kontingent aus den Ländern, in denen die alte jüdische Verfassung vorherrscht, ein größeres; denn die Glaubensfragen beschäftigen dort die Gemüther noch lebhafter und ernstlicher. Ein stärkeres Anwachsen der Taufen aber pflegt stets in den Zeiten des Ueberganges einzutreten. So hatte Deutschland in der ersten Zeit der Periode, welche M. Mendelssohn einleitete, ganz besonders viele Uebertritte zu verzeichnen. Und in Rußland wird sich dasselbe wiederholen, wenn die staatlichen Reformen die dortigen Juden aus ihren bisherigen Zuständen definitiv herausführen werden. In den Zeiten, wo das Alte abhanden kommt, und ein Neues noch nicht recht gefunden ist, macht sich eben das Bedürfniß, einen sichern religiösen Halt zu gewinnen, am leb-

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