Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 3-4 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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57 nie eine andere Thätigkeit; dafür treten die 200,000 Landbesitzer, Gärtner und Bauern ein, die selbst den Beduinen noch das Ihre pflügen und vor Allem gute Brotfrucht, Wein, Oel, Obst und am Wasser Gemüse aller Art erzeugen. Ihre kaum 20,000 Gewerbsleute und Fabrikanten greifen neben Seife- und Oelfabrikation nur zu den Geschäften des gemeinsten Lebens, als Schuhmacher, Schreiner, Schmiede, Sattler, Töpfer, Gerber, Maurer rc., wogegen die c. 40,000 Wechsler, Kauf- und Handelsleute aller Art die Hände in Alles mengen, womit irgend das kleinste Geschäftchen zu machen ist. Gelehrte (Ulemas), Scheichs (Religions- und Tempelälteste), Imams (Vorleser und Vorbeter) und Derwische (eine Art muhamedanischer Mönche), die meistens betend als Lehrer, Zauberer, Segensprecher und Beschwörer rat Lande umherziehen, mögen es zusammen kaum 2000 sein, die Gelehrten unter ihnen eine ganz kleine Minderzahl. Nehmen wir zu diesen noch c. 100 Edelleute (Effendis), welche Geldgeschäfte im Großen treiben und Beamte sind, so haben wir damit eine ungefähre Uebersicht der Muhamedaner im heiligen Lande und der Richtung ihrer Thätigkeit. Das sonst öde Jerusalem gehört im Winterhalbjahr zu den belebtesten und besuchtesten Städten der Erde. Schon vor Alters hieß sie die Stadt, da man zusammenkommt (Ps. 122,3). Die Pilgerzüge haben ihr diesen Charakter bis heute bewahrt. — Christliche Pilgerzüge, jüdische und muhamedanische, denn auch ihnen ist sie nach Mekka die heiligste Stadt der Welt, — 20,000—25,000 Pilger verdoppeln in dieser Zeit die Zahl der Bewohner Jerusalems. Zu ihrer Aufnahme haben die betreffenden Religionsgenossen in ihren Klöstern ausreichende Pilgerhäuser, die Griechen und Russen für 6000—7000, die Armenier für 7000, die Kopten und Habessinier für 1000—2000 Personen. Diese alle brauchen auch so viel Raum; denn dem Betrug des heiligen Feuers, das jeden Samstag vor Ostern vom Himmel fallen und in der Kirche zum heiligen Grabe erscheinen soll, und dem Baden im Jordan wird eine so große Bedeutung für's Leben beigelegt, daß es Schaaren orientalischer Christen hierher treibt. Weniger zahlreich sind die Pilger der lateinischen Christen, welche solchem Spektakel nicht folgen und in der Casa Nuova und dem österreichischen Hospiz ihr Unterkommen finden, und noch geringer ist der Zuzug von Protestanten aus allen Theilen der Welt, welche