Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 3-4 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Die Juden sind größeren Theils seit 40 Jahren nach und nach um ihres Glaubens willen eingewanderte und darum bekenntnißtrcue Israeliten, welche, obwohl in eine Reihe von Sekten und Parteien gespalten, meist strenge Talmudistcn sind, die unter einander in ewigen Händeln liegen. Bei den Christen bildet den eigentlichen Grundstock die griechische Kirche. Die andern Kirchen zählen meist nur eingewanderte, oder durch ihre Missionen den Griechen abgewounene Glieder. Dieser Umstand und die Ansprüche an den Besitz der heiligen Stätten bewirken den starken, oft skandalösen und gefährlichen Hader derselben, in welchem sich der Geist der Parteien kennzeichnet. Am duldsamsten sind wohl neben der Minderzahl von Protestanten und Sekten die Armenier, am derbsten die Griechen, am klügsten und schlauesten die Römischen. Leider hat die Religion auf den moralischen Zustand des Volkes bisher bei Christen wie bei Muhamedanern sehr wenig Einfluß ausgeübt. Der Wirkung des Evangeliums liegen in diesem Lande große Hindernisse im Weg. Den Muhamedaner hindert nicht nur der ihm besonders eigene Religionsstolz am Glauben, sondern hauptsächlich die Regierung, welche das Verbot des Uebertritts trotz ihrer gegentheiligen Proklamationen ungeschmälert aufrecht erhält, wozu sie in den allezeit von Ort zu Ort ziehenden Derwischen ein großes und eifriges Heer williger Polizeidiener hat. Die Juden hier sind meist verdrehte Talmudisten, leben größtentheils von Almosen und hängen von den Almosenvertheilern ab. Neben dem ist jetzt viel Wohlhabenheit unter ihnen und darum ihr Ansehen gehobener, ihre Aussichten besser und sie fast durchweg für die heilige Schrift und ihre Wahrheiten unempfänglich. Was die Regierung anbelangt, so sind und bleiben die Türken der edelste und oberste, die Muhamedaner der bevorzugte und die Christen der untergeordnete Volkstheil. Daneben weiß und will die Regierung nichts wissen von dem Grundsatz: „Gott der Herr hat die Fremdlinge lieb, darum sollt ihr sie auch lieb haben"; im Gegentheil, sie sieht uns alle ungern und ist von Haus aus und in der Praxis gegen uns. Grundsätze und Gesetze, wie sie seit zwanzig und mehr Jahren vom Sultan publizirt worden sind und gedruckt vorliegeu, sind