Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1877-01-01 · 3-4 (1877) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
3-4 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554836-2554839--06727-2562722
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

35 Vortheil, das Gute des Augenblicks ist sein Leitstern; ihn ergreift es kindisch, unbekümmert um die Zukunft. — Der morgende Tag wird ihm, so denkt es, für das Seine sorgen. Physisch kräftig und stark, wo nicht Mangel und geheime Sünden sie ruiniren, scheuen sie jede geistige Anstrengung, führen ohne Nöthigung keine oder nur solche geistige Arbeiten zum Ziel, die augenblickliche große materielle Vortheile versprechen. Bildung überhaupt schätzen sie nicht und konnten auch seither meistens nichts damit anfangen. Geistliche und weltliche Vorstände haben für ihre Verdummung redlich gesorgt, und so konzentrirt sich ihre Beschäftigung und Thätigkeit aus Land- und Gartenbau, Handelschast und ein paar Gewerbe, die zum einfachsten Betrieb derselben und zur Bekleidung dienen. So ist denn auch, was ihren Vermögensbestand betrifft, ihre stehende Rede richtig: „Wir sind Alle arme Leute", mit Ausnahme der Wenigen, die als Blutsauger es verstehen, auf Kosten ihrer Mitbürger sich reich zu machen. Da die Bevölkerung dünn, das Land im Ganzen gut ist, und Jeder Feld genug hat, um seinen Unterhalt daraus zu ziehen, trägt nicht das Land die Schuld an dieser Verarmung, sondern neben den maßlosen Abgaben und der Beschränktheit und Trägheit der Leute auch der große Mangel an haushälterischem Sinn und an Gottes Segen. Im Ganzen sind die Leute in ihrer Weise frömmer als in Europa, soweit sie nicht durch die Beamten und Klöster verderbt sind; aber das große Gemisch verschiedener Religionen unter einer selbstsüchtigen Priesterschaft und bei der eigenen Urtheilslosigkeit ist doch dem Volk ein bedeutendes Hinderniß an der Erkenntniß der Wahrheit. %0 von ihnen sind entschiedene Muhamedaner, das letzte Zehntel bilden circa 24,000 Juden und 25,000 Christen. — Diese sind dann wieder 15,500 Griechische, 5000 Römische, 1500 Armenische, 1500 Protestantische, 1500 der Sekten (Schismatiker). Der Muhamedanismus, in entfernteren Landestheilen noch fanatisch, bildet die bevorzugte Klasse; sie genießt allein die Ehre des Militärdienstes und ist durch die Regierung und Koran gehalten, fest bei ihrem Bekenntniß zu bleiben, während ein guter Theil im Herzen viel weitherziger gesinnt ist. 3*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.