Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 1-2 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Seine Worte gaben ihnen aber um so mehr Anlaß zum Nachdenken, als er seine ganze Unterhaltung oft in reinem Hebräisch führte. Ein Christ, der so die heilige Sprache handhabte, erwarb sich von vorn herein bei ihnen das Recht, mit Aufmerksamkeit behandelt zu werden. So mancher Jude suchte ihn denn auch in seinem Hause auf, und wir finden in seinen Tagebüchern mehrere erwähnt, welche während der ganzen Zeit seines Londoner Aufenthaltes einen ununterbrochenen Verkehr mit ihm erhielten. B. ließ sich jedoch nicht täuschen und blenden. Trotz seiner Jugend hielt er sich von jedem schnell aufwallendcn Enthusiasmus frei. Er machte es denen nicht leicht, welche etwa glaubten, daß man wie im Handumdrehn ein Christ würde. Vielmehr wollte er ihnen selbst Gelegenheit geben, sich zu prüfen und ihre wahre Gesinnung kennen zu lernen. Ein Rabbi Hirsch und ein Bocher (jüdischer Student) Moses besonders trugen ihm nach vielen Unterredungen den Wunsch vor, Christen zu werden; sein Verhalten denselben gegenüber aber ist ein rechtes Muster missionarischer Weisheit. B.ging durchaus nicht sogleich auf ihr Verlangen ein. Er gab ihnen dagegen nach einiger Zeit Unterricht und hielt bei demselben nichts von dem zurück, was ihnen zum Anstoß zu werden drohte. Da sie aber über alles dies hinwcggekommen waren, zeigte er ihnen nunmehr aus ihrem ganzen Verhalten, daß es ihnen im Grunde nicht an genügender Erkenntniß, sondern an dem nöthigen Willensentschlusse fehle. Darum hielt er ihnen das Wort 1. Könige 18 entgegen: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? und stellte ihnen die strenge Heiligkeit Gottes vor Augen. Allen Versuchen, von dem Ernste der Forderungen Gottes etwas abzumindcru, widerstand er auf's Nachdrücklichste, und gerade darüber wurde es auch offenbar, wie viel aufrichtiger Ernst in den Herzen dieser Beiden lebte. Der Bocher insbesondere sah den Kampf zwischen Natur und Geist in sich heftig entbrennen. Hier zog es ihn zu B. hin, und dort wieder erschrak er, als Verfolgungen gegen ihn erwachten, da man seine Hinneigung zum Christenthum erkannte. Schließlich erklärte er B., daß er ihm wohl den rechten Unterricht vorenthalten habe. Der Missionar bezeugte ihm zur Antwort den ganzen Ernst seines Zustandes und daß sein Blut auf seinen Kopf kommen werde, wenn er nicht werde hindurchbrechen wollen. In großer Erregung verließ ihn Moses; B. selbst kehrte