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Dibre Emeth · 1877-01-01 · 1-2 (1877) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
1-2 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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27 aber für B. sein Aufenthalt in London vom Oktober 1764 bis zum Mai 1765. Er fand daselbst eine ungewöhnliche Theilnahme bei Juden wie bei Christen. Vielfach mußte er in der Stadt predigen, und unter den zahlreichen Zuhörern befanden sich dann auch der Regel nach Juden. Verschiedene Briefe, die aus London nach Deutschland kamen, bezeugten den Eindruck, den B. und sein Gefährte Meuter auf viele Gcmüther hervorgebracht, und bald suchte man besonders B. für immer an London zu fesseln. Den Juden daselbst fiel es zunächst aus, daß er sich in ihren Synagogen ganz wie ein Jude hielt. Man sah ihn Anfangs auch für einen solchen an. So ersuchte ihn ein Israelit das eine Mal um sein Gebetbuch. B. besaß ein Exemplar des jüdischen Gebetbuches, und dies reichte er denn auch seinem Nachbar hin. Dieser verrichtete dann seine Andacht aus demselben und blätterte hernach noch ein wenig in ihm herum. Einige Stellen, die B. unterstrichen hatte, sah er an und fragte hernach, warum dies geschehen sei? B. antwortete: „Hier steht Israels Gericht." Der Jude entgegnete: „Wieso?" B.: „Weil ihr vor Gott als Lügner erscheint." Entsetzt erwiderte der Jude: „Gott soll behüten, was redet ihr für Dinge?" B.: „Seht es nur recht an. Erst sagt ihr: Wir halten uns an den J6zer tob (guten Trieb) und an die Maasim tobim (guten Thaten und Werke); hernach aber heißt es wieder: Herr der Welt, wir liegen vor dir nicht auf unsere Gerechtigkeit. Heißt das nicht Gott in's Angesicht lügen?" Widerspruchslos hörten es die Juden an. — Oder seine Schlagfertigkeit brachte sie znm Schweigen. Als ein Londoner Jude den Eindruck bemerkte, den B. das eine Mal auf viele seiner Glaubensgenossen hervorbrachte, rief er aus: es sei unverantwortlich, an einen Mann zu glauben, der seit 1700 Jahren todt sei und von dem man keinen Brief oder Nachricht habe. B. las darauf einfach den 110. Psalm vor und sagte: „Hier ist Briefes genug; er sitzt zur Rechten des Vaters, bis alle seine Feinde, und also auch ihr, zum Schemel seiner Füße gelegt sind!" Alles wurde still, und lange noch durfte B. weiter zu ihnen sprechen. Im Haag aber machte er seine jüdischen Zuhörer verstummen, als er ihnen bei ihrer Berufung für ihre Gerechtigkeit auf die Schrift eutgcgnete: „Entweder ihr seid Sünder, und dann habt ihr nach der Schrift eine Versöhnung uöthig, oder ihr seid lauter Heilige, und wie kommt ihr dann aus dem Lande Kanaan nach dem Haag?"

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