Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1877-01-01 · 1-2 (1877) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
33 (1877)
Issue
1-2 (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2554541-2554836-2554838--06697-2562691
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

6 lediglich eine Folge des aus dem Prophetenwort entstandenen Protestantismus und der mit ihm herbeigeführten Umgestaltung der ganzen Völkerwelt. Aber hat nun das Wort der Schrift, das gepredigte und verkündigte Wort derselben eine solche Wirkung auf den Zustand der Juden hervorgebracht, dann soll uns diese Erfahrung auch zu dem Weiteren führen, daß wir fortan den Geist des Herrn anrusen und daß wir zum Herrn schreien, er wolle nicht im Fleische verbleiben lassen, was zunächst nur ein Fleischcsleben zu führen begehrt. Prophetisches Mort ist also die Rede der Namenchristen, ist aber auch jene Art der Verkündigung des Evangeliums und der Mission unter den Juden nicht, welche dieselben bei dem Acußeren stehen bleiben läßt, oder welche ihnen schmeichelt und sie beruhigt, als ob sie selbst in ihrem gegenwärtigen Zustande und Verfassung schon innerlich lebendig wären. Die Wahrheit redet zu Israel vielmehr nur der, welcher ihm sagt und zeigt, daß es in seiner modernen Kulturpcriode Alles lediglich und ausschließlich der Macht der Verkündigung des göttlichen Wortes in den Ländern der Völker verdankt, und welche es von dem bloßen Wohlgefallen an dem neu erlangten Fleisch, den neu gewonnenen Sehnen und Kräften und der neuen Hülle über seinen Gebeinen hinweglenkt, um es auf das Fehlen des Wichtigsten, des lebendigmachenden Geistes hinzuweisen. Israels Freunde sollen sich seines Fortschritts im Leiblichen wohl freuen, aber nicht so, daß sie hieran sich genügen lassen oder wohl gar hieraus einen Ruhm für das Volk machen, sondern so, daß sie die Macht der Gnade preisen, welche auch das Tvdte wieder zum Leben weckt. Verneuert also an seinem natürlichen Wesen wird das Israel der Zerstreuung auf dem Felde der Völkerwelt unter dem Einstusse des daselbst mächtig erschallenden Schriftwortes. Aber mehr wird in dieser Zeit für Israel nicht erreicht. Und darum erhebe, wer da wolle, das Fleisch deS heutigen Israel oder seine neuen Knltnrfortschritte; Knechte Gottes schreien vielmehr mit Hesekiel im gewissen Vertrauen auf die fernere Macht und Gnade des heiligen Gottes zu ihm hinauf, daß er nun auch seinen Geist senden und von demselben Israel anwehen lassen wolle. Ja, den Geist des Herrn gilt es bei dieser Wende der Zeiten für Israel mit Glauben und Inbrunst anrufen, denn das bloße Fleisch ist kein nütze.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.