Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 33 (1877)
- Issue
- 1-2 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554836-2554838--06694-2562688- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3 jene gewaltige Bewegung in dem Israel der ganzen Welt. Fast wie ein Haufe todter Gebeine hat es zuletzt in seiner talmudischen Periode dagclegen, und heute regt es sich in demselben, wie seit Jahrhunderten nicht. Die zerstreuten Glieder des jüdischen Volksleibcs kommen wieder zusammen, und die Kultur ist es, welche diese sammelnde, vereinigende Macht über dieselben ausübt. Der Prophet Hesekiel weissagt aWdrücklich im 37. Kapitel eine solche Zeit innerhalb des zerstreuten Israels. Er verkündigt, daß es unter den dürren Todtengebeinen, seines Volkes einmal rauschen, und die Gebeine sich einander nähern würden, Sehnen würden über ihnen wachsen und Fleisch und Haut darüber; dennoch aber würde zu derselben Zeit in diesem Leibe noch kein Geist erfunden werden. In eben dieser Periode befindet sich jetzt Israel. Die auf dem Felde der Völker so lange hin und her vereinzelt gebliebenen Gebeine oder einzelnen Theile des Volkes werden wieder zusammen gebracht, um einen neuen Leib zu bilden, um äußerlich eine neue und gemeinsame Gestalt zu gewinnen. Das Ringen und Streben der Juden, nicht blos überall in Europa, Amerika und Australien, sondern theilweise auch selbst in Asien und Afrika geht jetzt darauf hin, aus der talmudischen Selbstisolirung herauszutreten und die Kräfte und Säfte aller Völker der modernen Welt in sich aufzunehmen, um sich so zu verjüngen und ihrer Umgebung in Allem ähnlich zu werden. Ein Gemeinsiun, ein Gemeingesühl, ein gemeinsames Arbeiten, Streiten und Kämpfen daraufhin abzielend und dahingerichtct sind jetzt fast überall wahrzunehmen, wo man auch immer die Juden erblickt. Nicht blos hat die Israelitische Alliance, jene Vereinigung von Juden aus den verschiedensten Ländern, ganz bestimmt ihr Bestreben daraus gerichtet, den Juden in der ganzen Welt ihre Zusammengehörigkeit .zum Bewußtsein zu bringen und sie zu veranlassen, gemeinschaftlich für alle Glieder des Stammes allenthalben den vollen Antheil an dem gesammten Kulturleben unserer Tage als Recht einzufordcrn, sondern die jüdische Masse ist auch nahezu überall an ihrem Orte auf's Lebhafteste bemüht, eben diesen Gedanken und Plan zu verwirklichen. Mehr als je fühlen sich die Juden unserer Tage als eine Einheit. Das jüdische Bewußtsein umspannt, wie cs der stüchtigste Blick in die jüdische Presse und Literatur und auf das 1*