Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 11-12 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554828-2554835--06681-2562674- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
187 Gottesdienste bewogen worden, und am Weihuachtstage standen wohl 50 Prvselhtcn am Abendmahlstische der Missionskapelle. Die holländischen Juden, meist Abkömmlinge der einst aus Spanien und Portugal geflüchteten, halten sich der Regel nach noch sehr fern von jeder Berührung mit den Christen; ihr religiöser Zustand ist gewöhnlich der eines todten Orthodoxismus, der aber die Gemüther je länger je weniger befriedigt. In Frankreich klagt Missionar Burnet über die Gleichgültigkeit oder den Zweifelgeist, welchen die größere Zahl der französischen Juden den ewigen Dingen entgegensetzt. Die Meisten, welche sich noch um Religion bekümmern, begnügen sich mit dem oberflächlichsten Bckenntniß zu derselben. Fanatismus und Bigoterie sind selten; nur in einzelnen Fällen war ein tieferes religiöses Verlangen zu bemerken. Wenig erfreulich ist auch das Bild des Italienischen Judenthums. Ein Kolporteur schreibt aus einer großen Stadt des Landes, daß er unter den dortigen Juden kaum eine Spur irgend welcher Religion und religiöser Gefühle gefunden habe. Als letzthin daselbst der Vorschlag, eine regelmäßige Gemeinde oder Versammlung einzurichten, gemacht wurde, nahm ihn Niemand auf oder wollte sein Theil an den nöthigen Ausgaben bezahlen; und wenn ein Jude in jener Stadt stirbt oder ein Begräbniß stattfindet, hat man die größte Schwierigkeit, Jemand zu finden, der die gewöhnlichen Gebete genügend verrichten kann. Die Erziehung der jüdischen Kinder in Rom und Italien wird in stets wachsender Weise eine unjüdische. Die Juden benützen in großem Umfange alle die Bortheile, welche ihnen die Regierung und die Städte für die Erziehung der Kinder bieten. In Rom ist dies so sehr der Fall, daß dort keine jüdische Schule, mit Ausnahme einer solchen für kleine Kinder, weiter besteht. Nur eine ganz kleine Zahl von Knaben besucht, nachdem ihre eigentliche Schule vorüber ist, die Talmudthoraschule, um dort hebräisch zu lesen; aber nirgends macht man einen ernsthaften Versuch, sie gründlicher in dieser Sprache zu unterrichten. Wie zu erwarten, wird der Nutzen solches papageimäßigen Lernens weder von Eltern noch von Kindern sehr geschätzt, und so werden sic täglich gleichgültiger gegen die hebräische Sprache und die Bibel selbst. In den städtischen Schulen von Rom zeichnen sich dagegen die jüdischen Kinder recht ans. Bei der Vertheilnng der Preise erhielten 103 derselben 121 Preise;