Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 11-12 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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183 Die deutschen Gebetsversammlungen haben ohne Unterbrechung weiter fortbestanden. Jeden Freitag Abend 7 Uhr, mit Ausnahme des letzten Freitags im Monate, an dem eine allgemeine Zusammenkunft in der Sonntags-Schule auf Gloster Street stattfindet, trat ein kleiner Kreis von Judenchristen in der „Heimath für Wanderer" zur gemeinsamen Erbauung und Belehrung zusammen. Während des letzten Jahres wurde hierbei das Evangelium Lukas betrachtet. Fast die Hälfte desselben ist durchgenommen worden. Das Ganze trug einen durchaus erbaulichen Charakter, Controverse und unnütze Fragen wurden sorgsam vermieden. Diese Versammlungen haben denn auch einen großen Werth. Sie vereinigen die Proselyten durch das Band des gemeinschaftlichen christlichen Interesses, nehmen ihnen das schmerzliche Gefühl des Einsamstehens und lehren sic geistlichen Verkehr unter einander pflegen. Auch der Sonntag-Nachmittags-Gottesdienst in Palestine Place wird vielfach als gemeinschaftliche Erbauungsstunde von den Proselyten festgehalten. In der Missionshalle auf der Old Montague Street, Whitechapel aber finden sich an jedem Sonnabend 20—30, manchmal auch mehr Juden zu religiösen Unterhaltungen und Besprechungen ein. Die bei dieser Gelegenheit stattfindenden Debatten sind, obwohl sie warm oder auch stürmisch zu sein pflegen, nicht ohne Frucht geblieben. Das britische Judcnthum trägt übrigens seinen besonderen Charakter. Jenen blinden Fanatismus, welcher mit souverainer Verachtung alle Fortschritte der Vernunft verachtet, hat es abgestreift. Es pfercht sich nicht länger in jene starre Sclbstabschlicßung ein, die in manchen andern Gegenden dem Missionar eine unübersteigliche Schranke eutgegenstellt. Freimüthig erkennt es an, daß Vieles in der protestantischen Christenheit das höchste Lob verdient. Es fordert selbst ein Forschen nach den Quellen, aus denen das Nene Testament all' sein Treffliches geschöpft hat, und indem cs den Talmud mit dem Alten Testamente als eins annimmt, schreibt es sich selbst alles das Gute zu, das nach seinem Zugestünduiß das Evangelium in der Welt bewirkt hat. So weit hat denn der britische Jude nicht allein ein offenes Ohr für das Christcnthum, sondern ist demselben auch günstig gesinnt. Freilich wenn Einer in einer jüngst erschienenen Reihe von Artikeln der jüdischen Presse uns erzählt, daß die unnachahmliche Bergpredigt dem Talmud