Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 11-12 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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182 selben ein vollkommenes Lebensgesetz und die Antwort, welche die Furcht niederschlägt, die ihre Herzen beunruhigt und beängstigt. Erst neulich noch wurde eine vornehme und reiche jüdische Dame, die das Neue Testament täglich liest, von einem Freunde gefragt, warum sie denn in dieses einfache Buch so verliebt sei. Sie entgegnete sogleich: „Sie nennen es ein einfaches Buch, weil es auf allen Schmuck verzichtet; ich hingegen nenne cs ein edles, wenn nicht ein göttliches Buch, denn cs befriedigt das höchste Sehnen und schließt die vollkommenste Moral in sich". Während des vergangenen Jahres wurden dem Missionar Stern die verschiedensten Kanzeln in London wie in Provinzialstädten zur Verfügung gestellt, und die Zuhörerschaft war eine sehr zahlreiche. Auch viele Juden hatten sich eingefunden, z. B. in Birmingham, Bristol, Exetcr und Cardiff. An letztgenanntem Orte floß der Regen in Strömen hernieder, und trotzdem war kaum ein Sitz in der großen Parochialkirche leer. Bei seiner Anrede an die Juden spricht der Prediger dann freilich zu Leuten, deren tiefster religiöser Instinkt sie zu Zweifeln und Fragen, wenn nicht zu Hohn und Spott bei jedem Worte, das sie hören, anleitct. Sie haben weder für den Prediger noch für seinen Gegenstand eine Sympathie. Worauf er irgend Gewicht legt, das widerspricht ihren liebsten Gefühlen. Wenn sie seinen Worten zuhören, so geschieht es nicht, um etwas zu lernen, sondern um etwas zu finden, das sie verhöhnen, oder dem sie widersprechen möchten. Aber ob sie nun Neugierde und Streitsucht oder das Verlangen, Belehrung und Kenntniß der Sache zu erlangen, bewegt, zum Hause Gottes zu strömen, jedesfalls hören sie die Botschaft von der erlösenden Liebe; und was immer der unmittelbare Erfolg sein mag, sicher wird die Wahrheit verbreitet und der Wille des gnadenreichen Gottes erfüllt. Die „Heimath für Wanderer", schreibt Missionar Stern, hat seit ihrer Errichtung 1852 ihre Wohlthaten 14—1500 Israeliten bewiesen, von denen etwa 600, wenn nicht mehr, darunter viele ganze Familien, öffentlich ihren Glauben an Jesum den Gekreuzigten bekannt haben. Einige derselben sind gegenwärtig Geistliche der Kirche von England, andere in heimischen und auswärtigen Missionsfeldern thätig, während wieder andere Lehrer in Schulen, Ladenbesitzer, Handwerker oder einfache Arbeiter, oder auf's Festland zurückgegangen und in Kolonien ausgewandert sind.