Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 11-12 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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181 sein, wenn der ausgestreute Same nicht alsbald eine reiche Ernte bringt. Weder die Schrift noch die Erfahrung wahrhaft evangelischer Männer verbürgen uns solche Erwartungen. Man arbeitet auf Hoffnung. Das Zeugniß, welches man ablegt, geschieht eben ganz eigentlich „als ein Zeugniß". Den Einfluß des heil. Geistes aber kann man nicht kontroliren. Der Missionar kann den Unbußfertigen nicht bekehren oder denen Leben einhauchen, die todt in ihren Uebertretungen und Sünden sind. Und doch ist seine Mühe keine unnütze; denn Gottes Wort kehrt zu ihm nicht leer zurück. Es verbreitet Erkenntniß der Wahrheit, erweckt Nachdenken und führt in manchen Fällen auch zu ernsten Fragen. So erfüllen die Missionare, die täglich die Straßen durchwandern, um zu sehen, wo sich ihnen eine Gelegenheit bietet, durch mündliches Wort oder durch Verthcilung von Schriften oder durch warme, lebhafte Disputation den Einen oder Andern von seinem Irrwahn hinwegzurufen, in ruhiger und unprahlerischer Weise ein wichtiges und heilsames Werk. Ihr Eifer und ihre Ergebenheit für den ihnen gewordenen Beruf setzen sie dann und wann Angriffen, Verhöhnungen oder auch wohl Gcwaltthätigkeiten aus, aber das entmuthigt sie nicht. Sie empfangen doch manchen handgreiflichen Beweis, daß Gott ihre geringen Bemühungen segnet, und das erquickt sie in ihrem schweren Werk. Unterschätze auch Niemand, was sie thun. Ihrer Arbeit ist cs zuzuschreiben, daß sich Vorurtheile mildern, mißverständliche Ansichten von Christo und dem Evangelio verbessert werden, und daß christliche Bücher weithin circnliren. Noch vor nicht vielen Jahren wurde ein Jude, der ein Neues Testament besaß, als Abtrünniger verklagt und stand in Gefahr, aus der Synagoge verwiesen zu werden. Jüdische Kinder, welche die christlichen Schulen besuchten, strichen den Namen Jesu aus, wo er ihnen begegnete; er wurde nie ohne ein böses Gebet oder ohne einen Fluch und Verachtung genannt. Jetzt ist das alles anders. Das N. Testament liegt nicht mehr unter einem Bann. Man findet es in den Palästen der reichen Juden wie in den niedrigen Wohnungen der armen. In jüdischen Blättern wird es angeführt und, wiewohl vorsichtig, in Synagogenpredigten verwerthet. Man liest es unter Hohen lind Niederen, unter Gebildeten und Ungebildeten. Manche studircn es, um es anzngreifcn, Andere, eine richtige Kenntniß vom christlichen Glauben zu gewinnen, und nicht Wenige entnehmen dem-