Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 11-12 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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180 Gesellschaft verbreitet worden, und auch in diesem Stück der Thätigkeit ist nicht der mindeste Rückgang zu bemerken. Wie aber die Arbeit Hierselbst geschieht, und welche Erfahrungen in ihr gemacht werden, davon sollen Zeugnisse aus verschiedenen Stationen reden, die, ohne irgendwie einen erschöpfenden Bericht zu geben, doch den genügenden Einblick in den Charakter und die Bedeutung des Werkes thun lassen. Zn London selbst sind während des Jahres 1875 wieder 31 Juden getauft worden, seit der Eröffnung der Missionskapclle auf Palcstine-Place überhaupt 1,395 jüdische Personen. Taufen finden in diesem Kirchlein aber so häufig statt, daß sie länger kaum noch ein Interesse erregen. Viel größer als die Zahl der Getauften war natürlich die der Unterrichteten. 65 Israeliten sind vom Missionar Stern längere oder kürzere Zeit unterwiesen worden. Während derselben besuchten sie die tägliche Bibclstundc, am Freitag Abend die Gcbetsversammlung und am Sonntag-Nachmittage den hebräischen Gottesdienst. Missionar Stern führt als ein Beispiel dafür, wie der gesäete Same oft erst nach langer Zeit seine Frucht bringt, einen lieben Christen aus Israel mit Namen Samuel Lewy an, der im Oktober 1875 starb. Derselbe stammte aus England und war, wie so viele Andere, ein ausgesprochener Ungläubiger. Das Judenthum verwarf er als eine der Vernunft widersprechende Geheimnißreligion. Er wurde oft verwiesen, gewarnt und ermahnt, aber alle Bemühungen erschienen vergeblich. Und doch war es nicht so. Die Worte, welche er vernommen, ließen ihm keine Ruhe, sondern bereiteten ihm im Gewissen Unruhe und brachten ihn endlich dahin, zu rufen: „HErr, rette mich oder ich verderbe!" Von da an hatte er viele Verfolgungen und körperliche Schmerzen zu erdulden. Aber der Glaube an den Heiland hielt ihn in allen Trübsalen aufrecht. Und er sollte nicht lange mehr auf die Erlösungsstunde harren. Seine jüdischen Verwandten versuchten ihn bis zum letzten Augenblicke in seiner Anhänglichkeit an den HErrn zu erschüttern, aber er bezeugte ihnen nur durch seinen Frieden, sein heiteres Wesen und seine Freudigkeit, daß Der, welcher ihm im Leben theuer gewesen war, unter den Schmerzen der nahenden Auflösung und des Todes ihm noch theurer geworden war. So hat er seinen HErrn gepriesen. Der Missionar soll auch wie der Ackcrsmann nicht ungeduldig