Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 11-12 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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177 Aberglauben sich nach einem besseren Ersatz sehnen, ja daß viele von ihnen, da ihnen dieser Ersatz nicht geboten ward, eine Beute des totalsten Unglaubens geworden sind, den sie vor den Augen der Welt nur dadurch verdecken, daß sie den tvdten Ceremvniendienst mitmachcn. Aber gerade hieraus wird noch deutlicher sichtbar, wie segensreich die Mission wirken kann, die den mit den Satzungen ihrer Väter zerfallenen Juden das Evangelium von Christo Jesn, dem Sünderhcilande und himmlischen, ewigen König, verkündigt, welches ihnen an Stelle des Tod bringenden Aberglaubens den ewiges und seliges Leben bringenden Glauben darbietet, und welches eine Kraft Gottes ist, ihre unbefriedigten Seelen friedevoll zu machen. Und wie leicht ist der Zugang zu den Juden, die Anknüpfung von Gesprächen mit ihnen, bei denen die Missionare stets oder wenigstens meistens aus ein bereitwilliges Eingehen rechnen können! Das tägliche Leben giebt ihnen die vielfachste Gelegenheit dazu. Denn inden Händen der Juden liegt in Polen sowohl der Groß- und Kleinhandel, und zwar in einem Umfange, wie man es in Deutschland nicht kennt, als auch das Gewerbe. Sie sind nicht blos die Herren auf der Börse, beherrschen die Fleischmärkte und Fischbänke, handeln mit Gemüse und Butter, mit Obst und Konfekt, sondern sie arbeiten auch als Schuster und Schneider, als Tischler und Glaser, als Packträger und Straßenpflasterer u. s. w>, was sie im westlichen Europa nur selten thun und wozu sie dort nur schwer zu bewegen sind. Durch diese Vielseitigkeit ihrer Erwerbsthätigkcit ist den Missionaren auch die mannigfachste Gelegenheit gegeben, ihnen mit der Botschaft nahe zu treten, die sie ihnen bringen sollen, daß der HErr unser Heiland der Messias ist, ans den Israel noch harrt, und daß er in seiner Heilandsliebe auch sie selig machen will von ihren Sünden. Andererseits hat aber die Mission in Polen auch viele Schwierigkeiten zu überwinden. Es genüge hier nur auf Eins hinzuwcisen. Es ist bekannt, daß es überhaupt schwer ist, auf das Herz der Juden zu wirken, ihr Herz der Liebe Gottes zu erschließen, sie dahin zu bringen, daß sie ihr Herz dem Heilande zum Eigenthum geben, weil der Verstand gleichsam an die Stelle des Herzens getreten zu sein scheint. Besonders erschwert ist aber grade diese Hauptaufgabe der Missionare, den Glauben an den Heiland und 12