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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 11-12 (1876) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
11-12 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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175 Verwandten, zu jeder schrieb sie einen Brief. Dann bat sie ihre Umgebung, sie möchten den Verwandten sagen, daß sie bis zum letzten Athemzuge bekannt habe, Christus sei köstlich, daß sie Tod und Grab überwunden habe und der ewigen Seligkeit gewiß sei, daß ihr aber das alles nur durch den Tod ihres HErrn und Heilandes Jesu Christi möglich geworden sei. Tags darauf bat sie um Feder und Dinte, dann ergriff sie ihre Bibel und schrieb zitternd auf das erste weiße Blatt: „Christus ist der Himmel!" Das sind die letzten Worte, die aus ihrer Feder gestossen sind. Am Morgen ihres Sterbetages ließ sie ihren Vater rufen. Sie war völlig ruhig. Ihr Vater weinte. „Kümmere dich nicht, mein lieber Vater," sagte sie, „wenn du Gott treu bist, so wirst du bald wieder bei mir im Himmel sein." „So irrst du dich nicht? Du fühlst, daß dich deine Religion im Tode aufrecht erhält?" „O ja, o ja! Ob ich schon wandelte im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück. Sein Stecken und sein —." Sie konnte nicht weiter reden. Dann erholte sie sich wieder und fuhr fort: „Willst du mir eine letzte Bitte gewähren? Zweifle nicht mehr an Jesu, meinem Heilande; fange an ihn zu lieben, ihm zu dienen und lies das Neue Testament!" Dabei sah sie ihn forschend an. „Meine Liebe, ich habe es zu lesen angesangen, ich habe gesehen, daß deine Religion wahr sein muß. Ich glaube, meine Liebe, ich bekenne es vor dir und allen Anwesenden, ich glaube — an Jesum." Die plötzliche Gemüthsbewegung, welche die Sterbende in Folge dieses Bekenntnisses ergriff, war zu stark für sie. Sie rief: „Lob! — Preis!" — Dann lag sie erschöpft da. Doch erholte sie sich wieder, schenkte ihrem Vater ihre Bibel und sagte: „Lob, Ehre, Preis und Ruhm sei Jesu! Küsse mich, lieber Vater!" Dann bat sie den Vater, sie ohne Gepränge begraben und nicht einbalsamiren zu lassen und sagte: „Ich höre die Stimme; der Meister ist da und ruft mich. Meine ganze Seele antwortet: Ja komm, HErr Jesu! Ich bin voller Herrlichkeit." Wiederum lag sie etwa -zwei Stunden still und sanft schlummernd da. Als sie erwachte, drückte sie die Hand ihrer Freundin. Bald darauf rief sie aus: „Triumph, Triumph!" und erhob ihren zitternden Arm. Nach einer Stunde streckte sie freundlich ihre Hand aus und sagte: „Lebe wohl, mein lieber Vater! Ich gehe zur Herrlichkeit! Diene Jesu! Du wirst bald dort sein." Das waren ihre letzten Worte.

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