Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 11-12 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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174 ihn zum HErrn hinzuleitcn. Sie betete nicht blos still für ihn, womit so viele Christenkinder genug zu thun glauben, sondern sie führte den blinden Vater mit kindlicher Zärtlichkeit zu dem Arzte, der ihn allein heilen konnte. Sie bat ihren Vater flehentlich, sein Heil bei dem HErrn Jesu zu suchen. „O lieber Vater," sagte sie, „komm zu Jesu — jetzt! willst du? Ich sterbe. Laß uns zusammen vor ihm niederknieen. Er ist Gott, wahrlich, wahrlich, er ist's, ich fühle cs jeden Augenblick. Sein Geist wird dich heiligen und segnen und selig machen und dein Haupt mit ewigen Freuden krönen!" „Lcila, ich werde dich Wiedersehen, bete, daß ich daraus Trost schöpfe!" „So bist du denn ein Christ, lieber Vater?" „Giebt es denn nur Christen im Himmel?" „Keinen giebt es dort außer denen, die durch Jesum zu Gott kommen, und nur wer ihn mehr liebt als alles Andere, kommt in den Himmel." „Aber ich liebe Gott von ganzem Herzen, wenigstens trachte ich darnach." „Er liebt dich auch, aber er kann dich nicht in den Himmel aufnehmen, wenn du nicht auch den Sohn liebst, den er gesandt hat. Er kann dir nicht vergeben, wenn du Jesum verleugnest. O Vater, liebe Jesum und komm in den Himmel; Alles ist so glücklich im Himmel. Alles ist so friedevoll, liebhabend, prächtig im Himmel. Ich sehne mich danach, dort zu sein." Ihr Vater eutgegncte, Gott wolle ja nicht den Tod des Sünders. „Ach Vater," sagte Leila, „Gott hat auch gesagt: Welche Seele sündiget, die soll sterben. Daher kann er dem Uebertreter nicht vergeben, wenn cs nicht ein Mittel giebt, seiner Gerechtigkeit Genüge zu thun. Du kannst das nicht selber thun. Gott der Sohn aber hat das gethan, was du nie kannst. Es giebt kein Heil, keine Freude auf Erden, keinen Himmel ohne seine Vermittlung." Diese Unterredung war von tiefer Wirkung auf Leila's Vater. Er konnte das Wort nicht wieder vergessen: „Welche Seele sündiget, die soll sterben". Leila's Kräfte aber welkten je mehr und mehr dahin. Die Hoffnung verließ Alle, selbst ihren Vater. Leila's Herz trug namentlich Leide über ihr Volk. Sie arbeitete mit ihrer Feder zu seinem Besten, so lange cs anging. An alle ihre Verwandten schrieb sie lange Briefe. Obgleich sie zuweilen viel litt, sah sie doch keinen Augenblick verdrießlich aus und kein Wort des Murrens kam über ihre Lippen. Drei Tage vor ihrem Tode bestimmte sie mehrere zierlich eingebundene Bibeln für ihre verschiedenen