Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 11-12 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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173 fragte sie der andere Rabbiner, ob sie noch immer an Jesum von Nazareth als an ihren Messias glauben wolle? „Ja, ich will, ich will immer, und ich hoffe bald bei ihm im Himmel zu sein!" bekannte Leila. „Ha", grinste ein Aeltester, und spie denselben Augenblick in ihr Angesicht, Leila verbarg cs in ihr Taschentuch. „Dann", sagte der Rabbiner, „verkündige ich dir, daß dein Name ausgerottet ist von deinem Volk, daß er vertilgt ist unter dem Himmel. Ich erkläre dich für verbannt, und wider einen jeden Juden, der künftig Umgang mit dir hat, spreche ich den Bannfluch Adonais aus." Hierauf sprach einer der Aeltesten den fürchterlichen Fluch aus, der 5. Mose 27 und 28 geschrieben steht. Endlich sprach er den Bannfluch über ihren Vater, wenn er ferner mit ihr verkehren würde. Das war zu viel. Leila weinte bitterlich. „Empfindest du Reue?" fragte barsch ein Rabbiner. „O nein, nein!" cntgegnete sie, „reden Sie nicht mit mir, Ihre Güte ist Grausamkeit." Es wurde ihr angekündigt, daß sie noch 3 Tage bleiben konnte, dann aber kein Jude sie aufnehmen dürfe, und nun wurde ihr besohlen, das Zimmer zu verlassen. Sie ging gern. Mitternacht war längst vorüber. In Leila's Augen aber wollte kein Schlaf kommen. Sie beugte ihre Kniee vor dem HErrn, dessen Wort sie nun gekostet hatte: Sie werden euch in den Bann thun. Am schmerzlichsten drückte sie der Gedanke nieder, daß sie nun vielleicht, ja wahrscheinlich ihren Vater nicht Wiedersehen würde. Doch suchte und fand sie Trost bei dem treuen Gott, der da der rechte Vater ist über Alles, was da Kinder heißt iin Himmel und auf Erden. Am andern Tage reiste sie ab und begab sich zu der Familie ihrer Freundin Emilie. Von hier aus schrieb sie einen Brief an ihren Vater und klagte ihm ihr Leid. Seine Antwort war äußerst freundlich und er tadelte das Benehmen der Rabbiner auf das Schärfste. Bald kam er selbst und führte liebreich die schwergeprüfte Tochter wieder in das väterliche Haus, doch sollte sie nicht mehr lange darin wohnen. Ihr Körper welkte mehr und mehr dahin, während ihre Seele immer inniger ihrem Heilande verbunden ward. Es zeigten sich endlich die unzweideutigen Spuren der Schwindsucht. Und Leila selbst fühlte, daß sie bald werde scheiden müssen. Nur einen Wunsch hatte sie noch in diesem Leben, nämlich den: Zeuge von der Bekehrung ihres Vaters zu sein. Sie bot Alles auf, um