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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 11-12 (1876) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
11-12 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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172 armen Verachteten eine rechte Freude. Unter Freudenthränen las sie in ihrer Bibel, konnte sich aber die Ursache der Einladung nicht erklären. Da hörte sie eine Magd sagen: „Die werthen Herren Rabbiner sind soeben angekommcn!" Endlich wird eine Glocke gezogen, welche die Dienstboten die Christenglocke nannten, weil man Leila damit zu rufen pflegte. Leila ging. Im Speisezimmer fand sie zwei Rabbiner, einige Aelteste und andere Juden. Man begegnete ihr bei Tische äußerst freundlich. Das machte sie stutzig, und sie flehte den HErrn um Beistand an. Nach Tische ging die ganze Gesellschaft in ein Nebenzimmer, Leila wurde gleichfalls hineingesiihrt und dann die Thür verschlossen. Auf dem Tische lagen viele gelehrte jüdische Werke. Leila hatte nur ihre Bibel und auch die ohne Erlaubniß. Ein Rabbiner hielt zuerst eine lange Anrede an sie und warf ihr die Sündlichkeit ihres Ungehorsams gegen ihren Vater vor. Der Mann kannte freilich den Spruch nicht: „Wer nicht Vater oder Mutter verlässet um meinetwillen, der ist mein nicht werth." Nun folgte eine 7 ständige Unterredung über die Frage: Christ oder Jude? Leila saß da, ruhig und gefaßt, ohne Freund als den besten Freund, der im Himmel ist, und ihre Bibel. Alle Fragen beantwortete sie fest, aber bescheiden. Der heilige Geist erleuchtete das schwache Mädchen mit der Weisheit von Oben, daß sie bereit war zur Verantwortung der Hoffnung, die in ihr war. Sie stritt mit dem Schwerte des Geistes, welches ist das Wort Gottes; alle Fragen, Anreden, alles gelehrte Gewäsch der wohlgesattelten Juden ward an ihrer himmlischen Einfalt zu Schanden. Darob ärgerten Jene sich baß. Nach 7 Stunden rief ein Rabbiner wüthend ans: „Gott hat nichts mehr mit dir zu schaffen. Er hat zum letzten Mal durch unfern, seiner Diener Mund zu dir, abtrünnige Gotteslästerin, gesprochen!" Leila erbot sich, ihnen noch die Auferstehung Christi von den Todten zu beweisen. „Ich sage dir," sagte der Rabbiner, „wir haben dir aus unfern Schriften bewiesen, daß Jesus von Nazareth ein Betrüger und Verführer war." „Mein Herr," entgegnete Leila, „cs ist zu viel zu sagen. Sie hätten es bewiesen. Um der Ehre meines göttlichen Meisters willen muß ich die Wahrheit erklären, Sie haben es nicht gethan." „So willst du's denn leugnen, du junge Unverbesserliche? Dann von Gottes wegen schlage ich dich!" und er gab ihr einen Backenstreich. Darauf

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