Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 11-12 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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171 wurde von ihren Hausgenossen, sobald sie sich blicken ließ, auf das Gröblichste verspottet, geschimpft und selbst von den Dienstboten auf's Aergste mitgenommen. Eines Abends trat sie in ein Zimmer, in welchem zwei Mägde arbeiteten. „Eudice, sagte die Eine, laßt uns übertreten und zu des Zimmermanns Sohn beten, daß er herabkomme und uns selig mache." „Ach, sagte die Andere, rede mir nicht von ihm, ich hasse ihn und Jeden, der ihn lieb hat. Uebrigens kommt es mir vor, er werde einen heuchlerischen Abtrünnigen doch nicht gar wohl leiden mögen." — „O ja, antwortete die Erste, das thut er, er sowohl als seine Leute haben die Proselyten gar gern. Sie versprechen ihnen Alles, und was den Himmel anbelangt, so stehen sie ihnen gut dafür, daß sie sie dahineinkriegen, und wenn sie sie in einem Korbe hineintragen müßten." „Nun, erwiderte die Zweite, sie mögen sagen, was sie wollen; auf mich sollen sie nie als aus eine abtrünnige Jüdin Hinweisen können, ich möchte eher ein Hund sein." Und nun folgte noch ein Strom pöbelhafter SchimpfundLästerworte, von denen es in Leila's Tagebuche heißt, daß sie dieselben nicht niederschreiben könne. „O mein Heiland", fügt Leila hinzu, „vergieb ihnen! Ja, ich will mit Stephanus beten: HErr, behalte ihnen diese Sünde nicht!" Außer seinen himmlischen Tröstungen gab aber der liebe. HErr der armen Leila auch einen äußern Trost in dieser schweren Kreuzeszeit. Es ist gemeinhin so beim Christenkreuz, daß gleich ein besonderer Segen Gottes dabei ist. Einer war in jenem Hause, der sich fortwährend wohlwollend und freundlich gegen Leila benahm, das war ihr ältester Vetter Isaak. Er sprach viel mit ihr über das Neue Testament und den HErrn Christus. Er kam auch sichtlich weiter durch sie, denn wer da glaubt, von deß Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Endlich merkten das auch Jsaak's Eltern. Da wurden sie aber förmlich wüthend. Und gegen wen? Gegen Isaak nicht, wohl aber gegen die arme Leila. Nun hatte sie es noch schlechter denn zuvor. Sie aber blieb stille in ihrem Gott. Und wie ihr Kreuz und ihre Trübsal, so wuchsen auch ihr Glaube und ihr seliger Frieden. Ihr Leib aber fing an zu leiden und sie hörte jene leise Stimme, die ihrer Seele sagte, daß sie nicht lange mehr hienieden weilen sollte. Vorher aber sollte sie noch Manches erfahren. Eines Nachmittags im Januar 1849 sprach Leila's Base den Wunsch aus, sie möchte wieder einmal mit der Familie essen. Das war der