Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 11-12 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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170 ihr nur jüdische Erbauungsbücher zu gestatten und ihr den Besuch einer christlichen Kirche unmöglich zu machen. In der That fing er sein Werk sogleich an. Er suchte sie mit eigenen Gründen zu überzeugen, mit Gelehrsamkeit, Witz und Spott sie zu bekämpfen, Leila aber bekannte den HErrn Jesum vor ihrem Oheim und dessen ganzem Hause furchtlos und treu. Die Gefahr drohte ihr aber hier noch von ganz anderer Seite. Ihre Base war ein Weltkind erster Sorte. Gastereien und lustige Gesellschaften nahmen bei ihr kein Ende. Dahinein wurde denn auch Leila geführt. Natürlich verschwieg man diesen Leuten, daß Leila eine Christin sei. Sie stand damals in der vollen Blüthe jungfräulicher Schönheit. Man war von ihrer reizenden Erscheinung entzückt und ihre Base machte förmlich Staat mit ihr. Das arme Kind! Sie fühlte sich so gedrückt unter den leeren, lüsternen Weltmenschen. Und doch ward ihr dies weltliche Wesen auf der andern Seite zur Versuchung. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden! spricht der Schlangentreter, der HErr Christus. An Leila's Seele erfüllte er buchstäblich alle seine Verheißungen. Eines Tages erhielt sie eine Einladung zu einem großen Ball. Sie fühlte, daß es ihrer Seele nur schaden konnte, wenn sie hinging. Sie wußte aber auch, daß, wenn sie offen bekannte, weshalb sie nicht gehen wollte, dadurch der Verfolgung Thür und Thor geöffnet wurde. Sie konnte sich ja aber hinten herum drücken, sagst du, konnte Krankheit oder dergleichen vorschützen. Schäme dich, schäme dich, alter Gesell, vor der jungen Christenseele! Nur frisch hinein, es wird so tief nicht sein! So dachte Leila und schrieb an die Dame, die sie eingeladen hatte, flugs einen fröhlichen Brief, bekannte ihr, daß sie eine Christin sei, und pries ihr die Seligkeit der Kinder Gottes. Da kam sie freilich schön an. Die Dame ging mit dem Briefe zu Leila's Oheim, und daß der nicht gerade sehr erbaut davon war, kann man sich denken. Nun ging der Tanz los, d. h. der Tanz der Welt gegen Leila. Sie durfte nun in keine Gesellschaft mehr kommen, nicht mehr mit der Familie des Oheims essen und niemals ausgehen. Es war nur gut, daß sie sich früher schon eine Bibel und einige christliche Bücher gekauft hatte. Sie wurde von allen Leuten mit unnützen Fragen überstürmt, wie sie denn dazu gekommen sei, eine Christin zu werden? u. s. w. Aber bei dem bloßen Fragen blieb's nicht lange. Sie