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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 11-12 (1876) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
11-12 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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169 Diesen Brief legte sie unter Thränen und Gebet auf den Nachttisch ihres Vaters. Die ganze Nacht aber brachte sie im Gebete vor Gott zu. Da bricht der Morgen an. Es schlägt acht Uhr, die Stunde, wo sie mit ihrem Vater zum Frühstück zusammenkommen muß. Sie ist hülflos und verzagt wie ein Kind. Sie muß jetzt gehen. Da kniet sie nieder und fleht um Kraft. Und siehe, gestärkt steht sie aus. Ihr Vater erwartete sie. Sie eilt aus ihn zu, schlingt ihre Arme um seinen Hals, ihn wie gewöhnlich zu küssen. „Leila!" rief ihr Vater ernst und wandte sein Haupt von der abtrünnigen Tochter, „was hast du gethan, wie kannst du einen Kuß von mir erwarten?" Auf Leila's schmerzliches Flehen ließ er sich dennoch küssen. Dann aber suchte er sie mit einer Fluth von Gründen von ihrem Jrrthume zu überzeugen. Leila aber stand da in der Kraft des HCrrn HErrn und bekannte fest ihren Glauben vor ihrem Vater, der erst zornig, dann aber tief betrübt war. Er sah, seine Ueberredung sei vergeblich; so befahl er ihr, eine Woche lang sollte sie ihm nicht vor die Augen kommen. Wenn sie auch dann noch bei ihrem Abfall beharre, so müsse er sich von ihr trennen. Uebrigens war ihr Vater dennoch liebevoll gegen sie; ihr Herz aber wollte schier brechen, bis sie im Gebet wieder den Geist fand, der da weiß: Ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. — In jenen acht Tagen schrieb Leila einen Brief an eine bekehrte, junge Christin, Namens Emilie, die sie von früher her kannte, und dieser Brief bezeugt, mit welcher Kraft sie vom HErrn gesegnet war. Sie lud die Freundin ein, sie zu besuchet,. Dadurch wurde ihr die schwere Woche verkürzt. Doch schnell genug waren die schönen Tage dieser Gemeinschaft vorbei, und wiederum durfte Leila zu ihrem Vater kommen. „Nun, mein liebes, theurcs Kind," rief er ihr entgegen, „komm an die Brust deines untröstlichen Vaters und sag ihm, du habest alle deine sündlichcn Meinungen und deinen sündlichen Glauben abgcschwvren!" „Ach, mein lieber Vater," schluchzte Leila, „ich kann wahrhaftig nicht, mein Glaube ist fester, stärker denn je." „Dann, mein Kind, ist es meine Pflicht, du mußt mich verlassen." Und es halfen keine Bitten. Leila mußte nach London zu dem Bruder ihres Vaters reisen, welcher als ein überaus strenger Jude allgemein bekannt war. Ihm wurde sie mit der Weisung übergeben. Alles aufzubieten, um sie wieder zum jüdischen Glauben zurückznsühren.

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