Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1876-01-01 · 11-12 (1876) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
11-12 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554828-2554835--06661-2562654
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

167 er ihr die Hüfte verrenkte. Sie wunderte sich, wie sie je auf den Gedanken kommen konnte, der Christen „gottloses Buch" zu lesen, ja es war ihr, als hätten die Rabbinen Recht gehabt mit ihrer Warnung vor dem leisesten Nahen und dem Anrühren der Christenlehre, da sie sonst ganz verwirrt und ewig verloren würde. Sie geriet!) in eine solche Unruhe und Herzensangst, daß sie endlich schwer erkrankte. Ihr Vater schrieb ihre Krankheit der dortigen Luft zu und beschloß gleich nach ihrer Genesung mit ihr nach England zurückzukehreu. Sobald Leila sich also erholt hatte, schifften sie sich in Jaffa nach Alexandrien ein. Von hier kehrten sie auf einem Dampfschiff über Malta und durch Frankreich nach England zurück. Aber der Funke in Leila's Herzen, den die Erbarmung unseres Heilandes hineingeworfen hatte, brannte fort. Sie dürstete nach christlicher Unterweisung und suchte nach der Gesellschaft ernster Christen, die sich bald fand. In einem Dorfe, etwa eine Stunde von Leila's Wohnort, stand eine christliche Kapelle, und Leila entschloß sich, sie zu besuchen. Ihrem Vater wagte sie nichts zu sagen, sie fürchtete seinen Zorn. Furchtsam, ein schwaches Weib, heimlich und ohne Begleitung ging sie des Abends, ja meist des Nachts den langen, einsamen Weg nach der Kapelle, wo häufig nächtliche Gottesdienste gehalten wurden, wie dies in England üblich ist. Wie zitterte ihr Leib, wie bangte ihr Herz! Ihre Füße wollten sie Anfangs kaum tragen. Aber sie betete und siehe, die heiligen Engel des HErrn begleiteten sie hin und her. Anfangs lief sie so schnell, daß sie kaum einige Minuten über eine halbe Stunde gebrauchte, den eine Stunde langen Weg zurückznlegen. Bald aber schwand ihr Schrecken, und fröhlich zog sie ihre Straße nach dem Brunnen, aus dem sie mit durstigen Lippen das Wasser des Lebens trank. Denn so ihr mich von ganzem Herzen suchet, so will ich mich finden lassen, spricht der HErr unser Gott. Anfangs erschien Leila auch in der Kapelle tief verschleiert und ihre liebliche, vornehme, geheimnißvolle Erscheinung erregte das größte Aufsehen. Bald aber überwand sie alle Furcht. Ohne sich lange mit Fleisch und Blut zu besprechen, bat sie den Geistlichen der Kapelle um eine Zusammenkunft und schüttete ihres Herzens Bekümmerniß und Sehnsucht offen vor ihm aus. Da sandte ihr denn der treue Hirte, der das arme Schäflein unter dem Dornenstrauche des Jrrthums hervorgeholt hatte, auch reichen Trost durch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.