Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 9-10 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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158 der persischen Moslimen, die größere Anarchie, vor Allem größere Habsucht sind die Ursachen dieser traurigen Erscheinung. Selbst in den zahlreicheren Gemeinden, z. B. in Hamadan, Schiraz und Teheran, sind die Juden der tiefsten Verachtung und dem härtesten Drucke ausgesetzt. Noch in neuester Zeit ward von einem Autodafe in Haniadan berichtet, und zur Zeit meines Aufenthaltes in Teheran ward ein gelehrter Rabbi nur durch den Einfluß des französischen Gesandten vom sichern Tode errettet. Der arme Manu sollte nämlich durch Bauchhiebe todtgeschlagen werden, weil einer seiner Feinde ihn einer Zauberei, in deren Folge das erstgeborene Kind einer Lieblingsfrau des Königs plötzlich gestorben sein sollte, beschuldigt hatte. Der Rabbi hatte nämlich zufällig das Thor Teherans passirt, als das Kind verschied; man wollte darin einen Zusammenhang der beiden Vorgänge erkennen und verurtheilte ihn zum Tode. Aehnliche triviale Ursachen hatten auch andere in den letzten Jahrzehnten vorgekommene Judenverfolgungen in Iran, so das bekannte Massacre von Medschhed, wo eine arme Jüdin, die zur Heilung ihrer wehen Hand, auf Anrathcn eines persischen Quacksalbers, einen Straßenhund geschlachtet hatte, um das kranke Glied in dessen Eingeweide zu stecken; sie wurde des überall den Juden zugcmutheten Kindermords verdächtigt und stürzte sich und ihre Glaubensgenossen in's Verderben. Noch immer müssen die gewaltsam zum Islam bekehrten Israeliten öffentlich dem Landeskultus huldigen, während sic insgeheim und außerhalb Medschheds wieder Jehova aubeten. Ob in der Stadt oder im Freien, nie kam mir Traurigeres vor Augen, als eine Gruppe zusammen lebender oder zusammen reisender Juden. Namentlich in Karawanen bieten sie eine klägliche Erscheinung. In schlechteste Kleidung gehüllt, von schmutzigstem, vernachlässigtstem Aussehen, ans alten, knochendürren Reitthieren sitzend, zieht eine solche Judengruppe gleich nächtlichen Schatten, vom Haupttrosse der Karawane abgesondert, einher. Mit scheuen, furchtsamen Blicken spähen sie nach allen Richtungen umher, überall Böses ahnend, Gefahr witternd, ob von hier nicht ein Stein, von dort nicht eine Flintenkugcl oder ein Säbelhieb fällt. Denn selbst aus reinem Muthwillen stürzt der Perser über sie her, bewirft sie mit Unrath und zerreißt ihnen die Kleider. Beim ersten Anprall drängen sich Alle wie zitternde Schafe in einen Haufen zusammen; man erhebt die Arme, aber nicht zur Gegenwehr, sondern um sich die Augen zu verdecken. Nur der Graubart wird ein: „Mekun dschuniaga!“ d. h. „laß ab, lieber Herr!" wagen, und merkwürdig genug ist Sitte, Gewohnheit, vielleicht auch Vaterlandsliebe, mächtig genug, um nahezu 20,000 Israeliten selbst an dieses Land zu fesseln, wo sie in steter Furcht leben, wo sie in ihren Häusern an Stelle der Thürcn osenlochähnlichc Oeffnungeu anbringen und