Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 9-10 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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157 über 20,000 Söhne Israels, und das alte Klagelied: „An den Wassern Babels saßen wir und weinten" ist dort nicht mehr zutreffend, denn der Bagdadcr Jude erfreut sich, im Schatten der reichen und einflußreichen Gemeinde, so mancher von seinen Glaubensgenossen in östlicheren Theilen mit Recht beneideten Privilegien. Seine Beschäftigung ist noch dieselbe wie unter den Chalifen, mit dem Unterschiede jedoch, daß moderne Institutionen und moderne Wissenschaften ihnen den früheren Nimbus entzogen. Ans den großen Kaufleuten und Regalienpächtern sind Wucherer geworden, aus geschickten Aerzten Quacksalber und Droguenhändler, nur sog. geheime Wissenschaften und Zauberkünste praktiziren sie noch, wobei ihnen der Begriff des Mysteriösen und Dunkeln, den das Volk im östlichen Asien mit der Individualität des Juden verbindet, zu Statten kommt. Auch mit einigen Handwerken befassen sich die Bagdader Juden, namentlich mit Seidenfärberei, die, wenn ich nicht irre, von israelitischen Emigranten aus Bochara importirt worden ist, sowie mit Juwelierarbeiten, in denen sie eine ziemliche Geschicklichkeit bekunden. Im Ganzen genommen tritt der Bagdader Jude, obzwar er auch dort, wie überall im Osten, in ein enges Ghetto verbannt ist, viel zuversichtlicher und freier auf, als in andern Theilen der asiatischen Türkei. Die Erinnerung an den Machteinfluß des Nässt (Judenfürsten) oder Rosch Geluthu (Oberhaupt der Gefangenschaft) scheint noch in ihnen fortzuleben. Die Stellen jener Nässt sind heute weniger durch den offiziellen Chacham Baschi (Oberrabbiner) als durch steinreiche Banquiers vertreten; einer der Letzteren, Namens Daniel — der Rothschild der asiatischen Juden — vermochte selbst den ersten Beamten des Sultans zu imponiren. Die Juden Bagdads sprechen nicht mehr den spanischen Jargon, sondern durchweg arabisch, so wie sich die Juden in Persien zumeist der mit hebräischen Worten stark untermischten persischen Sprache bedienen. Beide Volkszweige behaupten, Abkömmlinge der aus der ersten Gefangenschaft Zurückgebliebenen zu sein, und im Süden Irans begegnete ich einigen Familien, die sich als eine Art Patrizier gerirten und als Zeichen ihrer aristokratischen Abkunft hebräisch sprachen, natürlich stark untermischt mit persischen Worten, was sogar in der Schriftsprache, die doch durchweg hebräisch ist, hervortritt. Politisch und sozial steht der Hebräer Irans tief unter seinen Glaubensgenossen in der Türkei. Der größere Fanatismus