Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 9-10 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Das Erste, das der Vater nach dem Begräbniß seines Kindes that, war, daß er sich ein Neues Testament besorgte. Das hat er gelesen, und, von dem heiligen Geist von Oben belehrt, wird er nun zu den demüthigen und seligen Nachfolgern Christi gezählt. Die Juden im Morgenlande. Der bekannte Orientreisende H. VLmbsry zu Pesth hat jüngst „Sittenbilder aus dem Morgenlande" erscheinen lassen, in denen ein besonderes Kapitel den dortigen Inden gewidmet wird. Jener Gelehrte ist selbst Atheist und kann es daher nicht lassen, auf den christlichen Glauben, unter dessen Namen er nach seinem Austritt aus dem Judenthume einhcrgeht, allen Schimpf zu häufen, sowie die Bekenner womöglich aller anderen Religionen den Christen des Morgenlandes vorzuziehen. Dennoch sind seine Beobachtungen stets sehr interessante, und so bringen wir denn nun, mit Auslassung jener Gehässigkeiten, was er uns über die Juden des Morgenlandes mittheilt. „Nichts ist befremdender, und fügen wir gleich hinzu, auch betrübender, als das traurige Loos der Juden in den verschiedenen Ländern des moslimischen Asiens, ein Loos, das sich vielleicht zeitweiliger Linderungen erfreute, im Ganzen aber stets weit drückender, als das der Christen war. Als Feinde des Kreuzes können sie ja hier nicht gelten, da von den moslimischen Völkern die Kreuzigungsgeschichte geleugnet wird, und die Juden mit dem Jsa und Merjem (Jesus und Maria) des Koran nur wenig in Berührung kommen. Um so auffälliger bleibt es, daß der Name Jahudi, Dschehud oder Tschusut (Jude) dort die Quintessenz alles Schimpfes und Spottes, alles Hohnes und aller Verachtung ist; ja, die Sprache ist zu schwach, um dem moslimischen Abscheu gegen die Juden vollen Ansdruck zu geben. Wer glauben wollte, daß Muhameds harte Kämpfe gegen die Juden Arabiens diesen leidenschaftlichen Haß erzeugen, würde irre gehen, denn von zehntausend Muhamedanern weiß kaum ein Einziger, in welchem Verhältniß sein Prophet zu den Juden Arabiens gestanden; und ist es nicht merkwürdig, daß gewisse Annäherungspunkte im Ritus beider Religionen, z. B. die Enthaltsamkeit von den als unrein erklärten Thieren, ferner das obligate Schlachten, rituelle Waschungen u. s. w. die Bekenner beider Koy-