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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 9-10 (1876) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
9-10 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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153 ,-Warum, meine Tochter, willst du mir Schmerz bereiten Habe ich dir nicht jeden Beweis gegeben, daß ich dich liebe?" „Und doch, theuerster Vater, liebst du mich wirklich?" Der Vater konnte nicht mehr antworten. Die Tochter fuhr fort: „Ich weiß, mein lieber Vater, du hast mich stets geliebt, du bist der beste der Väter gewesen, und ich liebe dich zärtlich; willst du mir eine Bitte erfüllen? Ach, mein Vater, es ist die letzte Bitte deiner sterbenden Tochter, willst du sie mir erfüllen?" „Mein theuerstes Kind! bitte, was du willst, und wenn es der letzte Groschen meines Vermögens wäre; was es auch sein mag, es soll dir gewährt werden, ich will es dir geben." „Theurer Vater," erwiderte das junge Mädchen, „ich bitte dich, nie wieder ein Wort gegen Jesum von Nazareth zu sprechen." Der Vater ward stumm vor Erstaunen. „Ich weiß nur wenig", fuhr das sterbende Mädchen fort, „von diesem Jesus, denn man hat mich nie über ihn 'unterrichtet; aber ich weiß, daß er ein Erlöser ist; denn er selbst hat sich mir bekannt gemacht, während ich krank daniederlag, ja wohl zum Heile und zur Rettung meiner Seele. Ich glaube, er wird mich erlösen, obgleich ich ihn niemals vorher geliebt habe. Ich fühle, daß ich von hinnen gehe, bei ihm zu sein, um ewig bei ihm zu bleiben. Und nun, mein theurer Vater, schlag mir meine Bitte nicht ab; ich bitte dich, daß du nie wieder gegen diesen Jesus von Nazareth ein Wort redest. Ich dringe in dich, daß du dir ein Neues Testament verschaffst, welches von ihm erzählt, und bete darum, daß du ihn erkennen mögest; und daß, wenn ich nun nicht mehr hier bin, du auf ihn die Liebe übertragest, die du vordem mir gegönnt." Die Anstrengung des Sprechens überwältigte ihren schwachen Körper. Sie hielt inne, und des Vaters Herz war zu voll, so daß ihm selbst die Thränen versagten. Er verließ das Zimmer in großer Erregung seines Gemüthes; ehe er aber wieder seiner Herr geworden, war die Seele seines thenren Kindes entflohen und, wie ich gewiß glaube, zu dem Heilande geeilt, den sie geliebt und gepriesen hatte.

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