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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 9-10 (1876) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
9-10 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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152 ging der Geistliche zu ihm hin und redete ihn an: „Mein Herr, spreche ich nicht mit einein Sohne Abrahams?" „Ja wohl," antwortete derselbe. „Aber wie kommt es, daß ich einen Juden in einer christlichen Kirche treffe?" Als Antwort auf diese Frage erzählte er Folgendes: Cr wäre gut erzogen worden, sei von London gekommen und habe mit seinen Büchern, seinem Gelde und einer liebenswürdigen Tochter von 17 Jahren einen angenehmen Ruheort an den fruchtbaren Ufern des Ohio gefunden. Ehe er England verlassen, habe er sein Weib begraben und nun keine andere Freude mehr gekannt, als in der Gemeinschaft seines lieben Kindes zu leben. Dieselbe war in der Thal der väterlichen Liebe werth. Ihr Geist wohlgebildet, ihre Gemüthsart liebenswürdig; mit Leichtigkeit konnte sie verschiedene Sprachen lesen und sprechen, und ihr Benehmen gefiel Jedem, der sie sah. Kein Wunder also, daß ein etwas schwärmerisch gerichteter Vater, dessen Haupt sich bereits grau färbte, seine ganze Liebe auf dieses Kind richtete. Da er aber ein orthodoxer Jude war, so zog er sie in den strengsten Grundsätzen seiner Religion aus. Vor nicht langer Zeit wurde diese Tochter krank. Die Rosen schwanden von den Wangen, ihr Auge verlor sein Feuer, ihre Kräfte sanken sichtlich, und bald wurde es nur zu gewiß, daß der Tod an ihrer Thür anpochte. Der Vater beugte sich oft über ihr Bett mit einem Herzen, das vor Angst zerspringen wollte. Vielfach versuchte er mit ihr zu reden, aber nur selten anders als unter Thränen. Er sparte keine Kosten und keine Mühe, um ärztliche Hilfe zu erlangen, aber keine menschliche Kunst konnte ihr Leben retten. Der Vater ging gerade in einem nahen Gehölz ein wenig auf und ab, als man ihn zu seiner sterbenden Tochter rief; mit schwerem Herzen trat er durch die Thüre des Zimmers ein. Er sollte nun den letzten Abschied von seinem Kinde nehmen, und seine Religion gab ihm nur eine schwache Hoffnung auf's Wiedersehn. Die Tochter ergriff die Hand ihres Vaters mit eigener todtkalter Hand. „Mein Vater, liebst du mich?" „Mein Kind, du weißt, daß ich dich liebe, daß du mir theurer bist als sonst die ganze Welt." „Aber, Vater, liebst du mich wirklich?"

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