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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 9-10 (1876) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
9-10 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Glaube verschwindet in der That in schreckenerregender Weise innerhalb des neueren Judcnthums: große Massen versinken in den jammervollste» Atheismus, Andere suchen ihr Heil in jener chafidische» und wilden Ausartung des Glaubens, und Andere klammern sich wie Schiffbrüchige an die letzten Reste der alten Formen. Wohl war cs ein richtiges Gefühl, daß überhaupt das Judenthum einer Reforiu bedürfe, und daß die talmudische Religion das wahre Heil Israels noch nicht gebracht habe oder zu wirken im Stande sei. Aber man ist zu Reformen und Reformationen eigener Wahl geschritten, und diese haben es deshalb auch nur dahin gebracht, daß man nun endlich selbst einer Periode der Stürme und des Zerfalls entgegensicht. Freilich aber werden sich darum die Geister zunächst nun doch noch nicht allgemein über die eigentliche Tiefe und den wahren .Grund des Schadens belehren lassen, sondern man wird vielmehr neue Versuche der Heilung anstellen und neue Heilmittel anpreisen, welche wieder die eigene Weisheit, ebenso wie den Talmud und die Reform, ersinnt und anräth. Und Israel soll auch, während cs bei Jesu vorübergeht. Alles erschöpfen und Alles anwenden, was es sich selbst bereiten kann, oder was ihm Andere zn bieten im Stande find, damit es erfahre, ob cs ohne den gekreuzigten Heiland zum Frieden und zu dem rechten Genügen kommt. Jede neue Station aber, die es auf seinem Wege erreicht, und jede neue Entwickelung, in die cs cintritt, führt es dann doch nur seinem Ziele näher entgegen, also daß dies alles auch von Jedem, welcher an der Verheißung festhält, in dem Lichte der ewigen Weisheit und ihrer Erbarmung mit dein Danke des Glaubens angesehen werden will. Klage daher Niemand, daß jenes altgläubige Judenthum dahinsinkt, um einem von Stufe zn Stufe tiefer in Weltwesen und Unglauben sich verstrickenden Judeuthum Platz zu machen — der Weg ist dennoch ein gerader und vorwärts gerichtet, denn er führt stets tiefer in die Erfahrung der menschlichen Ohnmacht hinein. Die Zeit des Stillchaltens und des Ausrnhens ist cinnial auch für das Judenthum vorüber, nachdem es aus der talmudischen Behausung den ersten Schritt hinansgethan hat; cs wird nun immer weiter gedrängt und kann nicht mehr zur Festigkeit und Stetigkeit gelangen. Das Kommen des Reiches Gottes geschieht fortan vielmehr mit Eilen, und Alle, die Kinder des Geistes sind, sollen dies mit Anbetung begrüßen.

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