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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 9-10 (1876) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
9-10 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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138 getrübte» Motiven hervorgewachsen. Das nationale oder wenigstens das Stammcsgefühl ist auch in dem neueren Judenthum noch ziemlich rege, ja oft zum Mindesten ebenso überspannt wie in der talmudischen Zeit. Aber das religiöse Moment hat stark gelitten und wird von dem Interesse an der Kultur und dem modernen Staatsleben durchaus in den Hintergrund gedrängt. Das Religiöse im Talmud besaß nicht Kraft genug in sich selbst, um das lleberwuchcrn des bloßen Wcltsinnes in den Juden zn verhindern, aber einen positiven, einen religiösen Fortschritt bezeichnet die Erscheinung des Kulturjudenthums im jüdischen Stamme am Allerwenigsten. Das gerade haben die jüngsten Ereignisse in dem Lager der deutschen Juden deutlich offenbar machen müssen. Und doch ist in Wahrheit ein Schritt vorwärts zu verzeichnen. Denn es ist nunmehr der Anfang gemacht, um den Inden innerhalb ihres eigenen Gemeindelebcns nicht blos die Unhaltbarkeit des Talmudisinus, sondern auch die innere Ohnmacht ihrer gegenwärtigen Stellung zum Bewußtsein zu bringen. Welche große Worte haben doch die Lehrer des heutigen Israel zu ihrem Volke von seiner Aufgabe und seiner Mission geredet! Wir bibclgläubige Christen weisen den Gedanken an eine fernere Aufgabe und Mission Israels im edelsten Sinne nicht ab; im Gegentheil, wir glauben, daß wir über diesen Punkt noch größer und höher denken als die gegenwärtigen Meister in Israel; denn wir folgen der Schrift Alten und Neuen Testamentes, die uns über diesen Punkt gar Wunderbares und viel Seligeres, als es selbst jemals von den Christum abweisenden Juden dargestellt worden ist, sagt. Aber wir können uns nunmehr auch auf die Thatsachen und das eigene Gefühl unserer heutigen Juden berufen, wenn wir ihnen bekennen: unmöglich könne diese Aufgabe und Mission darin bestehen, etwa den Glauben an die Einheit Gottes in irgend ein cigenthümliches Gewand zu kleiden, und alsdann die Träger desselben inmitten der Völker zu sein. Die talmudische Hülle um die sogenannte jüdische Idee und die jüdischen Religionsgedanken hat ja das moderne Israel selbst immer völliger abgestreift, und man hat es nun versucht, den alten Wein in neue Schläuche zu fassen. Der Erfolg ist aber gewesen, daß diese Schläuche überall zu zerreißen beginnen, und auch der alte Wein in Wahrheit immer mehr verloren geht —jeder lebendige religiöse

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