Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 9-10 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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137 die leidige Geldfrage in den Vordergrund zu treten, und man fürchtet, eine Ruine oder einen Bau, der unten als moderner Prachtbau angelegt ist und oben nicht weiter geführt werden kann, zu erhalten. Kein Wunder, daß man selbst die Ahnung hat, man werde es innerhalb eines solchen Heiligthums nicht lange aushalten. Erst hundert Jahre ist das neuere Knlturjudenthum alt, und immer überschwänglicher ist dasselbe von seinen Jüngern gepriesen worden. Aber ein einziges armseliges Gesetz hat hingereicht, das Geständniß zu erwecken, es sei hinfort nicht abzusehcn, wohin nunmehr die Entwickelung desselben an seiner Heimathsstätte führen werde und führen könne. Das talmudische Jndenthum hat sich eine größere Widerstandsfähigkeit zugetraut, und erst nach etwa 1800jährigem Bestand ist über seine Anhänger das Gefühl gekommen, daß es ihnen noch an einem genügenden Halt und einer alle Bedürfnisse befriedigenden Religion fehle. Aber freilich ist hier nach diesem langen Zeiträume das Bewußtsein erwacht, daß man im Grunde nun doch nicht gefunden habe, was man Jahrhunderte hindurch wirklich gewonnen zu haben vermeint hatte; denn daraus allein ist es erklärlich, daß schließlich die Kultur einen solchen Zauber auf die jüdischen Gemüther auszuüben begonnen hat, und daß alle Theile des jüdischen Volkes überall auf der Erde nach und nach von diesem Zauber ergriffen werden, lind jetzt nun wieder zeigt die Furcht, welche an der Ursprnngsstätte des modernen Judenthums die führenden Geister unserer Juden befällt, daß es bald zu Rissen und Spaltungen, bald zu einem Versiegen des Lebens in ihren Gemeinden kommen müsse, auf das Deutlichste, wie nun eben auch die Gestaltung der Dinge in ihrer neueren und modernen Periode die Juden über alles bisher Erwartete und Gedachte hinausführen will. Selbst den nicht tiefer Blickenden wird es so schon ein wenig klar, daß die in's Leben gerufene Bewegung sich von ihren Leitern nicht mehr halten und bannen läßt, sondern dieselbe ihre Bahnen fortan selbstständig weitergeht. Die Tragweite des Neuen beginnt vielen der bisher begeistertsten Freunde desselben bereits Angst zu machen, und manche unter ihnen haben das Gefühl, daß die Zügel ihren Händen vollständig entfallen könnten. Das talmudische Judenthum war theilweise ans eigenthümlich nationalen, theilweise aber auch aus religiösen, wenngleich vielfach