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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 9-10 (1876) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
9-10 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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135 gewesen oder sind es noch und haben sich theilweise von jeder Gemeinschaft mit den übrigen Juden losgesagt. Nun aber wird es kaum mehr möglich sein, Behauptungen aufzustellen, welche allein auf die Unwissenheit berechnet waren. Es geht beim besten Willen nicht mehr an, sich auf die Einheit des Judenthums zu berufen und für dasselbe den Beweis der wahren Religion damit zu führen, daß cs ja keine Scheidung nach Konfessionen kenne. Wie viele oder wenige unter den preußischen Juden sich auch entschließen mögen, von der gesetzlichen Erlaubniß der Trennung Gebrauch zu machen, das Wichtigste bleibt, daß eben Juden selbst vor dem Richterstuhle der gesetzgebenden Gewalten bekannt und die Anerkennung erlangt haben: Es cxistirt kein einheitliches Judenthum, sondern cs giebt verschiedene jüdische Konfessionen. Die Vertreter des neueren Kultur-Judenthums empfinden in der ganzen Sache denn auch am Tiefsten die moralische Niederlage, welche sie vor der ganzen Welt erlitten haben. Der Hochmuth ist hier so recht vor dem Falle gekommen; und auch alle Disputirkunst, zu der man wohl wieder greifen wird, um nur den alten Schein zurückzuerobern, wird vor der Sprache der Thatsachen ihre Kraft verlieren. Einstweilen herrscht unter ihnen übrigens eine gewisse gedrückte Stimmung; denn sie überrechnen die Folgen des neuen Gesetzes, und dieselben sind allerdings nicht sehr tröstliche. Zwar fürchten sie zunächst noch nicht eine große Dimensionen annehmende Separatio», und eine solche steht in der That auch noch nicht in Aussicht; aber sie fürchten mit vollem Rechte Schlimmeres. Bisher haben die Neuerer im Ganzen und Großen innerhalb der preußischen Judenschaft das Uebergewicht gehabt und unter dem Schutze des Gesetzes dasselbe auch in einer stets größeren Zahl von Gemeinden geltend gemacht. Man war durch keine Furcht von den reformirenden Schritten zurückgehalten, denn die Beitragspflicht Aller stand fest; und sehr Viele ertrugen lieber einen ziemlichen Druck, als daß sie den einzig ihnen vom Gesetze gelassenen Ausweg erwählt hätten, mit Aufgebung des Judenthums Freigemeindler oder Christen zn werden. Nun steht es anders. Man kann Jude bleiben und kann doch derjenigen jüdischen Gemeinschaft, von der man sich beschwert fühlt, den Rücken kehren. Philippsons Zeitung klagt aber, daß fortan um so mehr die leidige Rücksicht auf die Erhaltung möglichst aller Beiträge der

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