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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 9-10 (1876) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
9-10 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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188 Menschheit führen. Die Versöhnung der jüdischen Religion oder des Talmudismus mit der Kultur der Völker wurde damals als die neue Aufgabe hingestellt; und selbst unsere Orthodoxesten in Deutschland sind seitdem allmählig dahin gelangt, daß sie mit derselben naiven Ueberzeugung wie M. Mendelssohn an die Möglichkeit der Verwirklichung ihres Ideals glauben. Die alte Orthodoxie bekämpfte M. Mendelssohn zu seiner Zeit auf's Entschiedenste; sie nannte seinen Gedanken einen völlig unhaltbaren und revolutionären, und das mit Recht. Das Wesen des talmudischen Judcnthmns besteht ja darin, daß es nicht blos die Einheit Gottes lehrt, denn das thut eben der Islam auch, sondern daß es Israels ganzes Leben nach allen Beziehungen und ausnahmslos unter Gesetze und Gebote stellt, welche demselben ein völlig anderes Gepräge als seiner Umgebung aufdrücken. Israel soll nach dem Talmud eben überall ein besonderes Volk und nirgends den übrigen gleich sein. Auch in seiner Zerstreuung ist ihm gerade die Ausgabe gesetzt, nie und nirgends seiner Umgebung gleich zu werden. Gerade darin hat es seine eigentliche Probe zu bestehn, daß es dem Gesetze, welchem es in der Heimath nicht gehorcht hat, nunmehr in der Fremde völlig Nachkomme, und daß cs daselbst keinen andern Lebensinhalt haben wolle, als, wie auch ringsum Alles aussehn und sich gestalten möge, unbekümmert darum und unvermengt damit, von ganzem Herzen und mit allen Kräften des Leibes wie der Seele ausschließlich sich der Erfüllung seiner Gebote zu widmen. Auf solche Weise allein könne es sich wieder seine Rückkehr nach Canaan erwerben. Deshalb soll es sich aber nun auch auf's Sorgfältigste von jeder Nation fern halten und soll einen Zaun um sich ziehn, der es von den Geschlechtern der Erde trennt. Das Leben der Völker geht Israel, auch wenn es seine Tage in ihrer Mitte zubringt, nichts an. Wohl soll cs für die Stadt und den Staat beten, die ihm einen Aufenthalt gewähren, aber es soll sich an dem Leben derselben nicht betheiligen, hat es doch vielmehr auch noch den Zweck, ihnen durch das eigene, andersgeartete Leben das Bild der rechten, wahrhaftigen Gottesgemeinde vor Augen zu stellen. Nimmt es aber an dem Thun und Treiben seiner Umgebung Theil, spricht es ihre Sprache, kleidet es sich nach der Tracht derselben, ißt und trinkt es mit ihr, wählt cs ihre Lebensformen, braucht es ihre Sitten, gestaltetes sich nach deren Vorbild,

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