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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 9-10 (1876) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
9-10 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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130 über die Erhaltung des - talmudischen Judenthums und über die Anpassung des gesammten jüdischen Wesens wie seiner Religion an die Neuzeit und ihren Geist. Aber damals hatten die Juden noch einen gemeinsamen Kampf um die Erlangung des vollen politischen Bürgerrechtes zu kämpfen, und dieses eben noch erst zu erringende Ziel ließ sie die inneren Zwistigkeiten so weit vergessen, daß sie ihrer Umgebung gegenüber die Einheit äußerlich festhielten und mit vereinten Kräften um den gleichen Preis stritten. Seitdem jedoch haben sich die Verhältnisse geändert. Das vor 30 Jahren Erstrebte ist gewonnen. Die bürgerliche Gleichstellung der Juden mit den Andern ist durch das Gesetz festgestellt, und nur hier oder da noch im Einzelnen etwas nachzuholen. Jetzt fehlt also das gemeinsame Kampfobjekt, oder wo etwa ein solches noch aufgestellt wird, gehn die Geister bereits auseinander. Man erklärt z. B. wohl, daß der glücklich gewonnenen Anerkennung der Juden nunmehr auch „die Anerkennung des Judenthums" folgen müsse, und versteht darunter, daß man in Preußen, in Deutschland und in allen Ländern dem Judenthum die gleiche Beurtheilung angedeihen lassen solle, die es in den eigenen jüdischen Kreisen findet. Man verlangt also, daß die Christenheit und nach ihr auch die Welt des Heidenthums das Judenthum als die höchste Vollendung des Menschthums in sittlicher und religiöser Beziehung anerkenne, und das heutige Israel als das Vorbild, Muster oder Ideal betrachte, dem die übrige Menschheit nachzustreben habe. Aber dann wollen sich nun doch die Ansichten über ihr Mcnschthum sowohl als über ihr Judenthum unter den Juden selbst in keiner Weise vereinigen lassen. Vielmehr ist jetzt der Parteihader so groß geworden, daß die Einen die Anderen des völligen Bruches mit dem Judenthum beschuldigen, und gerade darüber denn auch von einer immerhin beachtenswerthen Zahl von Juden die Parole auf „Trennung" ausgegeben worden ist. Man ruft von der einen Seite den Andern zu, daß der „Name Jude" noch nicht den Juden ausmache, und auch die gemeinsame Abstammung nicht zureiche, sondern daß jüdisches Blut mit jüdisch-religiösen Anschauungen und Leben verbunden sein müsse, wenn man ein Recht haben wolle, die oben genannte Stellung des Israeliten inmitten aller Anderen für sich in Anspruch zu nehmen. Da aber die religiösen Anschauungen unter zu vielen der jüdischen Personen, welche doch den gemeinsamen Ursprung mit-

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