Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 7-8 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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- Barmen 1× ep/1044134
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120 langem Herumsuchen ist es möglich geworden, seiner im Missions- Hause zu Barmen, Preuß. Rheinprovinz, habhaft zu werden." Dies die Anklage des Staatsanwaltes. I. Goldstern ist ein Mann von intelligenter Physiognomie, spricht gut Deutsch und macht im Allgemeinen einen angenehmen Eindruck. Aus die Frage des Richters, Herrn Nikisch, was der Angeklagte zu seiner Rechtfertigung zu sagen habe, erzählt derselbe seinen Lebensgang. Er sei nicht in eine öffentliche Schule gegangen, denn sein Vater habe gewünscht, daß er sich dem Rabbinatsstudium in einer Rabbinerschule widmen sollte. Nach dem Tode seines Vaters habe er denn diese Schule verlassen, weil seine Gesundheit gelitten habe, und er fast alle Jahre ein Bad zu besuchen genöthigt gewesen sei. (Auf einer dieser Reisen empfing er in einem Gespräche mit einem Christen die ersten christlichen Eindrücke.) 1874 habe er sich mit Frl. Bernfeld verheirathet, und sei mit ihr nach jüdischem Ritus getraut. Als er sich aber in der jüdischen Osterzeit bei seinem Schwiegervater aufgehalten habe, sei zwischen Beiden ein heftiger Dispüt über religiöse Fragen entstanden. Er habe es seinem Schwager Bernfeld offen erklärt, daß die Juden vergeblich auf einen besonderen Messias für sich warteten, denn der wahrhaftige Messias, von welchem die Propheten geweissagt, sei Jesus Christus, und auch er wolle deshalb allein an diesen glauben. (Unter den 5—600 den Verhandlungen beiwohnenden Inden entsteht hierbei ein großer Tumult, den der Präsident jedoch energisch unterdrückt.) Das offene Bekenntniß seiner Uebcrzeugung habe aber den alten Bernfeld in eine solche Wuth versetzt, daß er, ohne den hohen Festtag zu achten, nach der Lampe griff, um sie seinem Schwiegersöhne an den Kopf zu schleudern. Von dieser Zeit an habe er, Goldstern, sich von seinem Schwiegervater nichts Gutes mehr versehen können. Derselbe habe ihn auch beständig verfolgt und sei in ihn gedrungen, sich von seiner Tochter (die aber an ihrem Manne innig hing) scheiden zu lassen. Gerade damals, fuhr der Angeklagte fort, las ich viel von der Schottischen Missionsgesellschaft, und da ich zu Hause keine Ruhe hatte, so beschloß ich, diese Mission in Konstantinopcl auszusuchen. Ich verließ also die Heimath und meine Frau und wandte mich nach Konstantinopcl. An die dortigen Verhältnisse konnte ich mich jedoch nicht gewöhnen; das Leben daselbst ist einmal ein völlig anderes als bei uns, und