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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 7-8 (1876) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
7-8 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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117 finden. Wir aber wollen ihnen eben bringen, was ihrer Seelen Verlangen zu stillen im Stande ist. Vor einigen Jahren, fuhr der Redner fort, las ich eine rührende kleine Geschichte in dem Blatte der Londoner Mission, den „Jcwisch Intelligence", die einen tiefen Eindruck auf mein Herz machte: Irgendwo in Deutschland lebten zwei mit einander befreundete Damen — ihren Wohnort habe ich vergessen — die eine eine Christin, die andere eine Jüdin. Die christliche Dame unterhielt sich oft mit der jüdischen; sie erklärte ihr, daß sie dessen gewiß sei, dieselbe könne nichts haben, was ihre Seele wahrhaft befriedige. Die jüdische Dame jedoch entgegnete: „Befriedigt sein? O, ich bin eö vollkommen", dann zog sie ihren kleinen Knaben an sich heran, einen hübschen, lockigen Knaben, setzte ihn auf ihre Kniee, küßte ihn, streichelte ihm sein lockiges Köpfchen und sagte zu ihrer Freundin: „Da sehen Sie meincu Liebling, meinen Fritz. Wie kann Jemand wohl unbefriedigt sein, wenn er einen solchen Fritz hat? Ach, mein theurer Fritz, ich bin ganz zufrieden, denn ich besitze dich." Die christliche Dame erklärte ihr, daß sie für die Befriedigung ihrer Seele sich etwas Besseres als „Fritz" wünsche. Eine Woche ging hierauf dahin, da wurde der christlichen Dame ein Brieflein zugestellt, sie möchte doch sogleich zu ihrer Freundin kommen. Eilig machte sich dieselbe auf den Weg; in ihrem Hause fand sie die Freundin fast mit der Verzweiflung ringen. Der arme Fritz war hoffnungslos erkrankt, in einer Stunde war er todt. Was hatte nun die arme Mutter, daran ihre Seele Genügen finden konnte? Nichts, vielmehr nur ein ödes, seufzendes und blutendes Herz. Aber eben da wurde ihr nun der Sohn Gottes gezeigt, da ihr Christus selbst vor die Augen gestellt, und da nahm sie ihn gern aus. Und das köstliche Ergebniß war, daß, nur etliche Wochen später, eben dieselbe Mutter, jetzt ein armes, gedemüthigtes und zerschlagenes Herz, getauft wurde, daß sie voll Dankes nunmehr glaubte und ihr Genügen in Jesu Christo dem Herrn fand. Darum ist denn auch Alles, was wir zu thun wünschen, dies allein, daß wir den Seelen zeigen, was ihnen wahre Befriedigung in den Tagen der Angst, in den Tagen der Freude, in den Tagen des Glücks geben kann — ihnen zu zeigen, daß wir es wissen, was zu befriedigen vermag, denn es ist Gottes eigene Gabe, und er hat es uns in seinem eigenen Worte versichert, daß er einst das alte Israel mit dem Brote des Himmels gesättigt hat — Israel kann also von Himmclsspeise wahrhaft satt werden!

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