Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 7-8 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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116 andern Rabbiner schicken. Unterdcß kam der junge Mann zu mir und sagte zu mir: Gicbt cs noch eine Gnade für einen Solchen, der wie Judas seinen Meister verrathen hat? Er fiel mit mir auf seine Kniee, Thränen wahrhaftigen Schmerzes wurden ihm geschenkt, und seitdem ist er ein aufrichtiger und sich bewährender Christ geblieben. Noch -am letzten Weihnachtsfest kam er zu mir als zu seinem geistlichen Vater — obwohl nur ein geringer Altersunterschied zwischen uns besteht — damals hörte ich von ihm, daß er sich hinsichtlich seiner zeitlichen Verhältnisse in übler Lage befände, denn er hatte große Verluste gehabt — seitdem jedoch hat es der Herr ihm wieder gelingen lassen. Dies etliche meiner Erfahrungen aus der Missionsarbeit in Deutschland; ich gedenke nun aber des Werkes in Holland. Ach, es war ein herzergreifender Anblick, als am Ostermontage eine große Versammlung holländischer Christen zusammenkam. Vor nun drei Jahren wünschte das Comitö, daß ich nach Holland ginge und im Verein mit H. Pauli daselbst arbeitete. Seit seiner Pensionirung habe ich alsdann zwei Jahre lang allein auf dem dortigen Posten gestanden. Ich muß bekennen, es war eigentlich gegen meinen inneren Wunsch, nach Amsterdam zu gehen. Aber ich konnte doch auch nicht daran denken, dem Propheten Jonas gleich zu werden und dem Gebote meines Herrn zu entfliehen. So ging ich denn, und ich bin nicht enttäuscht worden, obgleich Amsterdam eins der schwierigsten Gebiete unseres Missionsfeldes ist, und dies aus verschiedenen Ursachen. Der Herr aber hat mir unerwartete Erfolge bescheert. Am letzten Ostermontage versammelte sich eme große Versammlung in der Missionskirche, genannt Zions-Kapelle, um der Taufe zweier junger jüdischer Personen beizuwohnen. Die eine, ein Mädchen, hatte ihre Mutter verlassen, als dieselbe über sie in Wuth gerathen war, weil sie das Neue Testament gelesen, und dasselbe in's Feuer geschleudert hatte. Der Andere war ein junger Mann, der in ganz ähnlicher Weise den Verlust seiner Mutter hatte erleiden müssen, — Schlachtopfer in der That auf des Herrn Altar. Und warum diese Opfer? Rev. Kanon Hoare wies mit vollem Recht auf die unergründliche Sehnsucht des menschlichen Herzens nach einer vollkommenen Befriedigung, um derentwillen ein Mensch auch das härteste Erdenloos erträgt, hin. Der Jude, so sagte er, will ebenso gut, wie der Christ das rechte Genügen