Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 32 (1876)
- Issue
- 7-8 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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115 liebte, hatte diesem jungen Juden, den ich besuchte, ein Exemplar der 4 Evangelien gegeben, lind so bat er mich, nachdem er bereits den ersten Eindruck von der Wahrheit in Christo empfangen hatte, um ein Neues Testament, welches ich ihm denn auch gab. Der Erfolg war, daß er in mein Haus karn, sich in regelmäßigen Unterricht begab, getauft, und, was noch mehr ist, ein, wie ich glaube, wahrhaft zu Gott bekehrter Mensch wurde. Gegenwärtig arbeitet er unter dem jüdischen Volke und verkündigt ihm die frohe Botschaft von Christo. Das war eine unverhoffte Frucht. In dieser Weise zeigt aber der Herr überhaupt, wie das Wort sein ist, und daß er uns allein als Werkzeuge in seinen Händen gebraucht. Nach 3 V? jähriger Arbeit ging ich von Bukarest nach Frankfurt a/M. Es schien die allerungünstigste Zeit zu sein, als ich dort ankam. Denn es war der Juli 1870, und am 15. eben dieses Monats läutete die Sturmglocke des Krieges überall in Deutschland. Dieser Theil Deutschlands nun war mir fremd, und in solcher Zeit daselbst meine Arbeit zu beginnen, war eine recht schwierige Aufgabe. Dennoch war gerade dieser Krieg ein Mittel in Gottes Hand für unsere Gesellschaft, durch ihren Diener Gutes unter den jüdischen Soldaten zu thun. Gar Manchem derselben, der in den Krieg zog, wurde ein Neues Testament in seine Hände gelegt. Ein junger Jude, der in seinem Herzen lange schon den Wunsch gehegt hatte, Christ zu werden, kam zu mir. Er hatte den Befehl empfangen, wegzugehen, und konnte nicht von dannen ziehen, ohne, wie er sagte, zuvor noch seinen Glauben an Christum öffentlich bekannt zu haben. Wollen Sie mir den letzten Unterricht ertheilen? frug er mich. Der Pastor seines Ortes hatte ihm schon reiche Mühe gewidmet gehabt, so daß er das Mittel wurde, ihn zu einem öffentlichen Bekenntniß seines Glaubens an Christum zu bringen. Aber auch in einem andern Falle wurde es mir gezeigt, daß es der Arm des Herrn ist, welcher das Werk thut. Ich gedenke eines jungen Mannes in Frankfurt, der öffentlich das Siegel seines Glaubens an den Herrn empfing; sobald er aber dies gethan, trauerte seine Mutter über ihn, brannte für ihn nach jüdischer Sitte die Todtenlichter und beklagte ihn als einen Tobten. Nach seiner Taufe wurde er zum Rabbiner gesandt, um sein öffentliches Bekenntniß zu Christo zu widerrufen. Der Rabbi war jedoch offenbar in höchster Verlegenheit und wollte ihn zu einem 8*