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Dibre Emeth · 1876-01-01 · 7-8 (1876) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
32 (1876)
Issue
7-8 (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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112 diese Sachen schon, den» ich habe sie gründlich studirt. So frug ich ihn denn, wer ihm davon erzählt und gesagt habe. Er entgegncte: Das ist eine seltsame Geschichte. Ich war Lehrer im Hause eines reichen Juden, der ein großes Besitzthum, das einem Edelmanne gehörte, theils als Pfand, theils als Pächter innehiclt und cs selbst bestellte. Sabbath Nachmittag, wenn die weiblichen Mitglieder des Hauses, wie es so die Gewohnheit war, ausgegangen waren, rief der Hausherr mich, seinen Schwiegersohn und seinen ältesten Sohn in sein Zimmer und sagte: Nun sind wir ungestört; ich will euch jetzt etwas von meinem Glauben erzählen. Wir haben den heutigen Morgen im jüdischen Gottesdienst zugebracht; derselbe ist gut, so weit er geht, aber er geht nicht weit genug; ich will euch sagen, was die Wahrheit ist. Dann öffnete er seine Bibel und bewies uns aus derselben, daß der Messias gekommen sein müsse, daß er müsse gelitten haben, gestorben und wieder aufcrstanden sein, und daß eben der Jesus von Nazareth, den die Christen in ungeziemender Weise anbeten, der wahre Messias sei. — So hat ein Jude die Anderen über unfern göttlichen Erlöser belehrt, aber selbst dieser, obgleich er wohlhabend und unabhängig war, würde die übelsten Folgen davon haben leiden müssen, wenn er seine Ueberzeugung öffentlich ausgesprochen hätte. Mein Besuch jedoch sagte zu mir: Ich habe meine Stelle als Hauslehrer anfgegeben, weil ich nicht weiter fortfahren kann, das Judenthum zu lehren und das Christenthum zu glauben. Bald hoffe ich ein kleines Kapital erspart zu haben, um dann nach England zu gehn und dort meinen Glauben offen zu bekennen. Man wird vielleicht fragen: Warum sagtest du ihm nicht, daß er sogleich nach England ginge und mit seinem Bekenntniß offen herausträte, da er dort gewiß Hülfe finden würde? In der That fühlte ich mich versucht, so zu handeln, der Mann aber sagte mir, er besäße nur einige Gulden; wenn ich ihn da ermuthigt hätte, nach England zu gehen, so würde er in die Lage gerathen sein, in welche nur gar zu Viele gerathen, und welche „die jüdische Welt" mit Hohn gegen uns erfüllt, so daß sie uns Abenteurer ohne einen Pfennig Geld und Vagabonden nennt, und behauptet, daß viele Juden herüberkämen, sich aber damit den Anschein gäben, Proselyten zu sein, „daß sie sich ja in einem vollkommen verlassenen Zustande befänden und der Unterstützung bedürftig wären". Ich

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